208 Zweiter Tag. Neunte Geschichte.
besseren Kleidern; sie aber wußte ihm in Allem so gutaufzuwarten, daß der neue Diener ihm über die Maßenlieb ward.
Nicht lange darauf schiffte der Spanier mit einerWaarenladung nach Alexandrien und nahm unter Andermauch mehrere seltene Falken mit, die er dem Sultan zumGeschenk machte. Darauf lud ihn der Sultan einige Malezu Tische und wurde, weil Sicurano immer mitbediente,auf dessen geschicktes Benehmen dabei aufmerksam undfand daran solchen Gefallen, daß er ihn von dem Spanierforderte, was denn dieser, so leid es ihm that, nicht ab-schlagen konnte. Sicurano gewann in Kurzem durch seingutes Betragen die Gunst und Liebe des Sultans nichtminder, als er die des Spaniers früher besessen.
Da geschah es denn im Verlaufe der Zeit, daß eingroßer Zusammenfluß von christlichen und saracenischenKaufleuten stattsinden sollte, der zu einer bestimmten Jahres-zeit wie eine Art Messe in Acre gehalten wurde. Zudiesem Markte pflegte der Sultan, unter dessen HoheitAcre lag, außer mehreren andern Beamten, zur Sicher-heit der Kaufleute und ihrer Waaren jedes Mal einenseiner Großen und eine Anzahl Bewaffneter zu senden.Als nun dies Mal dis Zeit herankam, beschloß er denSicurano, der bereits der Sprache vollkommen mächtiggeworden war, zu diesem Geschäfte zu bestimmen, undwirklich führte er diesen Vorsatz aus. So wurde dennSicurano Befehlshaber von Acre und der vom Sultanzum Schutze der Kaufleute und ihrer Waaren dorthin ge-sandten Wache; und während er sein Amt auf das besteund sorgfältigste versah und zu dem Ende achtsam umher-ging, traf er auf viele Kaufleute aus Sicilien, Pisa, Ge-nua, Venedig und aus andern Gegenden Italiens, undließ sich in der Erinnerung an sein Vaterland gern mitihnen in trauliche Gespräche ein.
Da traf es sich unter Andern ein Mal, daß er ineinem Kaufhause der Venetianer, wo er einen Augenblick