Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
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204
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204 Zweiter Tag. Neunte Geschichte.

Nacht gekommen war, öffnete Ambrogiuolo sie zu derStunde, wo ec vermuthen konnte, die Frau werde schlafen,durch den Druck einiger Federn und trat sachte in dasZimmer ein, das von einer Lampe erhellt ward. Nunbetrachtete er die Form des Gemaches, die Malereien, welchees schmückten, und was sonst darin bezeichnend schien, aufdas Genaueste und prägte Alles seinem Gedächtnisse ein.Darauf näherte er sich dem Bette und, da er bemerkte,daß die Frau sowol als ein kleines Töchterlein, das ne-ben ihr lag, fest schliefen, deckte er sie völlig auf undsah, daß sie nackt eben so schön zu nennen war, M be-kleidet. Doch wußte er an dem Körper kein anderes Ab-zeichen zu entdecken, das er dem Manne ansühren könnte,als ein Maal unter der linken Brust, um das ein Paargoldgelbe Härchen standen. Sobald er dies gesehen, deckteer sie leise wieder zu, so großes Verlangen sich auch beidem Anblick ihres schönen Körpers in ihm regte, sein Le-ben daran zu wagen und sich zu ihr zu legen. Da eraber gehört, daß sie in solchen Geschichten so übermäßigstreng und ungefüge sei, wollte er es doch nicht daraufankommen lassen. So verweilte er denn den größten Theilder Nacht über nach seiner Bequemlichkeit in dem Zimmer,nahm sich aus einem Schreine noch eine Tasche, ein Staats-kleid und ein paar Ringe und Gürtel, that dies Alles inseine Kiste und verschloß diese ganz wie zuvor, nachdemer sich selber hinein begeben hatte. Dasselbe wiederholteer die folgende Nacht, ohne daß die Frau das Mindestebemerkt hätte.

Am dritten Tage kam das arme Weib, nach der ge-troffenen Verabredung, wieder, um ihre Kiste abzuholen,und trug sie dorthin zurück, wo sie sie hergebracht hatte.Ambrogiuolo aber stieg sogleich heraus, belohnte das Weibseinem Versprechen gemäß und kehrte mit den genommenenSachen noch vor der bestimmten Frist nach Paris zurück.Hier rief er die Kaufleute zusammen, die bei dem Streiteund der abgeschlossenen Wette zugegen gewesen, und erklärte