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Der Graf von Antwerpen. 195
Gefolge des Letztem zog dann auch der wackere Mann,nämlich der Graf, ohne von Jemandem erkannt zu wer-den, mit, lebte geraume Zeit im Lager als Pferdeknechtund bewirkte hier, in Folge seines Verstandes und seinerErfahrung, durch Rath und That viel mehr Gutes, alsfür seine Lage sich schickte.
Während dieses Krieges nun wurde die Königin vonFrankreich von einer schweren Krankheit befallen. Undwie sie fühlte, daß sie dem Tode nahe sei, bereute sie alleihre Sünden und beichtete sie zerknirscht dem Erzbischofvon Rouen, der allgemein für einen besonders frommenund wohlmeinenden Mann gehalten wurde. Diesem er-zählte sie denn unter andern Sünden auch das schwereUnrecht, das sie dem Grafen von Antwerpen zugefügt,und begnügte sich nicht damit, dies dem Bischöfe zu beich-ten, sondern wiederholte den ganzen Hergang der Sachein Gegenwart vieler anderer angesehener Personen und batdiese, bei dem Könige sich dahin zu verwenden, daß derGraf selber, wenn er noch am Leben-sei, wo nicht, aberseine Nachkommen in ihren früheren Stand wieder ein-gesetzt würden. Nicht lange nach diesem Geständnisse starbdie Königin und ihre Leiche ward ehrenvoll begraben.
Als dem König das Bekenntnis seiner Gemahlin hin-terbracht ward, beseufzte er zuerst das schwere Unrecht, daser einem so wackern Manne angethan, dann aber ließ erin dem ganzen Heere und sonst noch weit und breit imLande ausrufen, daß, wer den Grafen von Antwerpenoder eines seiner Kinder nachzuweisen wisse, für einen Je-den auf das nahmhafteste belohnt werden solle, denn derKönig habe aus den Geständnissen seiner Gemahlin ent-nommen, daß der Graf des Vergehens, um dessentwillener verbannt worden, unschuldig sei, und er beabsichtigeihn nun in die alten Ehren und Würden wieder einzu-setzen und ihm noch größere zu verleihen.
Diesen Aufruf hörte auch der Graf, als Stallknecht,und da er wohl wußte, daß sich wirklich Alles so verhalte,
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