Der Graf von Antwerpen.
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vergangene Ungemach gering achtete, weil er die Kinderlebendig und in glücklicher Lage wieder gefunden. VollerVerlangen die Tochter wiederzusehen, ging er nun täglichin der Nahe ihres Hauses betteln. Hier sah ihn einesTages Jacob Lamiens, denn so hieß der Gemahl Jeannet-tens, und es erbarmte ihn des armen, alten Mannes under hieß einem seiner Diener, ihn in das Haus führen undihm zu Essen geben. Der Diener that willig, wie ihmgeboten. Jeannette aber hatte dem Jacob schon mehrereKinder geboren, von denen der älteste nicht mehr als achtJahre zahlte und die sämmtlich die hübschesten und artig-sten Kinder von der Welt waren. Als diese den Grafenessen sahen, waren sie gleich alle um ihn her und thatcnschön mit ihm, als ob sie von verborgener Kraft gezogen,erkannt hätten, daß er ihr Großvater sei. Der Grafwurde bald gewahr, daß es seine Enkel seien, und herzteund liebkoste sie; weshalb denn die Kinder, so viel auchDerjenige, der zu ihrer Aufsicht bestimmt war, sie rufenmochte, nicht von ihm lassen wollten. Jeannette hörtedas und kam aus einem anstoßenden Gemache in dasZimmer, wo der Graf sich befand, und drohte den Kindernnachdrücklich mit Schlägen, wenn sie nicht thäten, wasihr Lehrer ihnen befehle. Da singen die Kinder zu wei-nen an und sagten, sie wollten bei dem wackern Mannebleiben, der sie lieber hätte als ihr Lehrer, worüber Grafund Gräfin herzlich lachen mußten.
Inzwischen war der Graf von seinem Sitze aufgestan-den, nicht um die Tochter als Vater zu begrüßen, sondernum ihr, wie ein armer Mann einer vornehmen Dame,seine Ehrfurcht zu beweisen, und hatte sich über ihren An-blick im Stillen unsäglich gefreut. Sie aber erkannte ihnweder damals, noch späterhin, so sehr hatte er sich imVergleich mit seinem früheren Aussehen verändert; dennalt und grau und bärtig, mager und braun von Farbe,wie er war, glich er eher einem Wildfremden als demGrafen von Antwerpen. Wie die Dame sah, daß dieDekameron. I. 9