192 Zweiter Tag. Achte Geschichte.
junge Dame auf den Rath und zur Freude einiger amLeben gebliebenen Nachbaren, Pierrot, als einen tapferenund tüchtigen Menschen, zum Manne zu nehmen, undmachte ihn zum Herrn über Alles, was ihr durch Erbschaftzugefallen war. Auch dauerte es nicht lange, so vernahmder König von England den Tod des Marschalls undernannte darauf Pierrot den Picarden, dessen Tüchtigkeitihm bereits bekannt geworden war, an der Stelle desVerstorbenen zu dessen Nachfolger in jener Würde.
Dieses ist denn in Kurzem, was sich mit den beidenunschuldigen Kindern des Grafen von Antwerpen zutrug,die er für verloren zurückgelassen hatte.
So waren schon achtzehn Jahre verstrichen, seit derGraf von Antwerpen Paris auf flüchtigem Fuße gemiedenhatte, als er nach mancherlei Leiden und gar dürftigemLeben Lust bekam, Irland, wo er sich bis dahin aufgzhal-ten, zu verlassen, um nun, weil er alt geworden, womöglich zu vernehmen, was aus seinen Kindern gewordensei. Er sah wohl, daß er in der Zeit seine Gestalt völligverändert hatte, auch war er durch die langen körperlichenAnstrengungen rüstiger geworden, als er es gewesen, wäh-rend er in Muße lebte, und so verließ er denn, arm undschlecht gekleidet wie er war, den Herrn, bei dem er langeZeit gelebt, und fuhr nach England hinüber. Zunächst-ging er an den Ort, wo er Pierrot gelassen, und fand ihnals einen großen Herrn und königlichen Marschall wiederund sah, daß er gesund und kräftig und schön von Ge-stalt geworden war. Zwar freute er sich darüber herzlich,doch zu erkennen wollte er sich ihm nicht eher geben, alsbis er über Jeannetten Auskunft erhalten hätte.
Zu dem Ende machte er sich auf den Weg und gönntesich unterwegs keine Ruhe, bis er in London angekommenwar. Hier fragte er vorsichtig nach der Dame, welcherer seine Tochter gelassen, und nach ihren Umständen underfuhr, daß Jeannette die Frau ihres Sohnes gewordensei. Seine Freude darüber war so groß, daß er alles