Der Mraf von Antwerpen.
191
Ais die Mutter das sah, eröffnete sie der Jeannette ihreWünsche vollständig, fand aber diese noch standhafter alszuvor. Nun erzählte sie Alles, was sie bisher gethan,ihrem Gemahls und so entschlossen sie sich, so hart es ih-nen auch vorkam, dennoch gemeinsam, die Jeannette ihremSohne zur Frau zu geben, da siettmmer noch lieber denSohn mit einer Frau, die sich nicht für ihn ziemte, leben-dig, als ohne Frau todt sehen wollten. Und so thaten siedenn nach vielem Hin- und Herreden wirklich. Jeannettefreute sich dessen innigst und dankte Gott aus vollem Her-zen, daß Er sie nicht vergessen habe, sagte aber dem Allenungeachtet nicht anders, als, sie sei die Tochter eines Pi-carden. Der junge Mann genaß, feierte seine Hochzeitfröhlich wie kein Anderer und genoß die Freuden, welchedie Liebe ihm gewährte.
Inzwischen hatte Pierrot, der in Wales bei dem an-dern Marschall des Königs von England zurückgebliebenwar, wie er heranwuchs, die Gunst seines Herrn erworbenund war schön von Gestalt und wacker, wie kein Andererauf der ganzen Insel, geworden, sodaß in Kampfspielenund Turnieren Niemand unter den Einheimischen sich derWaffen so mächtig bewies, als er. So war er denn un-ter dem Namen Pierrot der Picards, den sie ihm beige-legt, überall gekannt und geehrt. Wie aber Gott seineSchwester nicht vergessen hatte, so zeigte sich bald, daßEr auch seiner gedachte. Es kam über jene Gegendeneine verheerende Seuche, die fast die Hälfte der Bevölke-rung hinwegraffte, zu geschweigen, daß auch von den kle-brigen ein so großer Theil in ferne Landschaften floh, daßdas Land völlig verlassen zu sein schien. In dieser allge-meinen Sterblichkeit kamen nun auch Pierrot's Herr, derMarschaU, dessen Gemahlin und Sohn nebst mehrerenanderen Brüdern, Neffen und Verwandten des Hausesum, sodaß Niemand übrig blieb, als eine schon mann-bare Tochter, Pierrot und einige andere Diener. Wie dieSeuche ein wenig nachgelassen hatte, entschloß sich die