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1 (1843)
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Zweiter Tag. Achte Geschichte.

genießen sollt; denn es ist ja unerlaubt, daß so «in schö-nes Mädchen, wie Ihr, ohne Liebhaber sei."GnädigeFrau," sagte darauf Jeannette,Ihr habt mich aus derArmuth meines Vaters gerissen und wie Eure Tochterauferzogen und darum wäre es meine Pflicht, Alles zuthun, was Ihr verlangt. In diesem Einen aber kannich Eurem Willen nicht gehorchen und glaube daran rechtzu thun. Wenn es Euch gefällig ist, mir einen Mannzu geben, so werde ich den lieben, aber keinen Andern;denn mir ist von der Erbschaft meiner Vorfahren nichtsgeblieben, als die Sittsamkeit, und so will ich denn diebewahren und an ihr halten, so lange mein Lebenwährt."

Diese Worte dünkten der Dame dem Plane sehr ent-gegen, den sie sich ersonnen hatte, um das Versprechenzu erfüllen, das sie ihrem Sohne gegeben, obwol sie,verständig wie sie war, in ihrem Herzen das Mädchen umso höher achten mußte, und sie sagte:Wie aber, Jean-nette, wenn unser gnädigster König, der ein junger Herrist, wie Du ein schönes Mädchen bist, von Deiner Liebeeine Gunst begehrte, würdest Du sie ihm abschlagen?"Sogleich erwiderre jene:Gewalt könnte mir der Königanthun, aber mit meinem Willen würde er nie von miretwas Anderes erlangen, als was der Sittsamkeit ge-mäß ist."

Die Dame sah nun wohl, wie ihre Gesinnungen be-schaffen waren, sparte deshalb weiteres Reden und dachtedarauf, durch die That sie auf die Probe zu stellen. Dem-zufolge sagte sie zu ihrem Sohne, sie werde, sobald ergenesen sei, das Mädchen mit ihm in Eine Stube brin-gen, dann möge er selber an das Ziel seiner Wünsche zugelangen suchen, da es, wie sie sagte, ihr unziemlich scheine,wenn sie für ihren Sohn wie eine Kupplerin gute Wortegeben und ein Mädchen in ihrem Dienste bitten sollte.

Der junge Mann war mit diesem Antrag keineswegeszufrieden und wurde alsbald wieder um Vieles kränker.