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Zweiter Tag. Achte Geschichte-
Herrgott größeres Mitleid für Dich bezeigt, als Du selberes gethan hast, und, damit diese Krankheit Dir nicht todt-lich werde, mir die Ursache Deines Uebels entdeckt, welchein nichts Anderem besteht, als in übergroßer Liebe, dieDu für ein Mädchen, deren Namen ich jetzt dahin gestelltsein lasse, empfindest. Warum scheutest Du Dich aber,mir dies zu entdecken? Bringt es Dein Alter nicht mitsich, und müßte ich Dich nicht gar gering schätzen, wennDu nicht verliebt wärest? So fürchte Dich denn nichtlänger vor mir, mein Sohn, sondern entdecke mir dreistalle Deine Wünsche. Verscheuche den Trübsinn und dieBedenken, die Du hegst und die Dir allein diese Krank-heit zugezogen haben. Fasse Muth und halte Dich über-zeugt, daß Du Nichts von mir fordern kannst, was ichnicht, um Dich, den ich mehr als mein Leben liebe, zu-friedenzustellen, so weit es in meinen Kräften steht,gerne thäte. Verbanne Deine Scheu und Deine Besorg-nis, sage mir, ob ich Deine Liebe in etwas fördern kann,und halte mich für die grausamste Mutter, die jemalseinen Sohn geboren, findest Du mich nicht auf das eif-rigste bemüht, Dich zum Ziele zu führen."
Als der Jüngling diese Worte seiner Mutter vernahm,erröthete er anfangs darüber, daß sein Geheimnis entdecktsei. Als er aber bedachte, daß Niemand besser als sie imStande sei, seinem Verlangen Gewährung zu verschaffen,überwand'er seine Scheu und sagte: „Madonna, um kei-ner andern Ursache willen habe ich meine Liebe vor Euchverborgen gehalten, als weil ich bemerkt habe, daß diemeisten Menschen, wenn sie zu Jahren gekommen sind,sich nicht mehr daran erinnern wollen, daß auch sie ein-mal jung waren. Weil ich aber Euch hierin so verstän-dig finde, leugne ich Euch nicht allein nicht, daß es sichwirklich so verhalte, wie Ihr vermuthet, sondern ich willEuch auch offenbaren, wen ich liebe, vorausgesetzt, daßIhr Euer Versprechen nach Euren Kräften erfüllt, dennnur dadurch könnt Ihr mich wieder gesund machen."