Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
182
Einzelbild herunterladen
 

182 Zweiter Tag. Achte Geschichte.

sich in Wahrheit um Euretwillen wie das Eis am Feuervöllig verzehrt."

Diesen Worten folgte ein solches Uebermaß von Thro-nen, daß die Dame, die noch fernere Bitten hinzusügenwollte, nicht im Stande war, weiter zu reden, sonderndas Haupt niederbeugte und, wie vom Gefühle überwäl-tigt, weinend damit an die Brust des Grafen sank. DerGraf dagegen schalt, als ein durchaus rechtlicher Ritter,so thörichte Liebe, stieß die Dame, die ihm schon um denHals fallen wollte, zurück und versicherte sie mit den hei-ligsten Schwüren, sich lieber viertheilen lassen zu wollen,als an sich oder an Andern solch ein Vergehen gegen dieEhre seines Herren zu dulden.

Kaum hatte die Dame das vernommen, so war ihreLiebe schon vergessen und in den wüthendsten Haß ver-wandelt.Plumper Ritter," rief sie,soll ich denn aufsolche Weise wegen meines Antrages von Euch verhöhntwerden? Da sei doch Gott für, daß ich, weil Ihr michtobten wollt, nicht Euch statt dessen ums Leben bringenoder aus der ganzen Welt vertreiben sollte." Und wäh-rend sie noch so sprach, fuhr sie mit den Händen in dieHaare, zerraufte und verwirrte sie sich ganz und gar, rißsich die Kleider auf, zerschlug sich den Busen und schrieso laut sie konnte,zu Hülfe, zu Hülfe, der Graf vonAntwerpen will mir Gewalt anthun."

Als der Graf dies Benehmen sah, fürchtete er sichmehr vor dem höfischen Neide, als dis Reinheit seinesGewissens ihm Schutz gewähren konnte; er ahnete, daßjener der Bosheit der Fürstin größeren Glauben verschaffenwerde, als seiner Unschuld, und erhob sich deshalb undmied, so schnell er konnte, das Zimmer und den Palastund floh in seine Wohnung. Hier hob er, ohne sichweiter zu besinnen, seine beiden Kinder zu Pferde, stiegselber ebenfalls auf und eilte, so sehr es sich thun ließ,nach Calais. Inzwischen liefen auf das Geschrei der Dameviele Leute herbei und glaubten, als sie sie in dem beschrie-