Hat aber die Liebende noch außerdem sich einen verstän-digen und ehrenwerthen Geliebten erkoren, so meine ich,vollendet dies ihre Entschuldigung. Nun trifft nicht alleinBeides, wie mich dünkt, in mir zusammen, sondern michverleiten noch überdies manche anders Ursachen zur Liebe,wie zum Beispiel, meine Jugend und die Abwesenheitmeines Gemahls. Alles Dies möge also jetzt verbundenauftreten, um mich in Euren Augen wegen meiner glü-henden Liebe zu entschuldigen; und gelingt dies Bestreben,wie es bei einem verständigen Manne gelingen muß, sobitte ich Euch, mir Euren Rath und Eure Hülfe zu ge-währen. Ich gestehe Euch nämlich, daß ich, unfähig,während der Abwesenheit meines Gemahls den fleischlichenLüsten und der Gewalt der Liebe Widerstand zu leisten,welche beide so mächtig sind, daß die stärksten Männer,geschweige denn zarte Frauen von ihnen oftmals überwäl-tigt wurden und noch täglich werden, in dem Wohllebenund in der Muße, in denen ich, wie Ihr seht, mich be-finde, schwach genug gewesen bin, .dem Verlangen derLiebe nachzuhängen und in verliebter Gluth mich zu ent-zünden. Ob ich nun gleich wohl weiß, daß diese meineSchwachheit, wenn sie bekannt würde, für unziemlich gel-ten müßte, (während sie mir, so lange sie verborgen istund bleibt, kaum in irgend etwas den Anstand zu verletzenscheint), so ist mir Amor doch in so weit günstig gewesen,daß ec mir in der Wahl des Geliebten die gehörige Ein-sicht nicht genommen, sondern mir deren vielmehr reichlichverliehen hat, indem er mir Euch als Den gezeigt hat, derdie Liebe einer Dame meinesgleichen verdient. Bin ichnicht von Täuschung verblendet, so seid Ihr der schönste,liebenswürdigste, artigste und verständigste Ritter, der imKönigreiche Frankreich gefunden werden kann. Außerdemseid Ihr ebenso ohne Frau, wie es mir jetzt am Gemahlsfehlt. So bitte ich Euch denn bei der heißen Liebe, dieich für Euch im Herzen trage, mir die Eurige nicht vor-zuenthalten und mit meiner Jugend Mitleid zu haben, die
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