Der Graf von Antwerpen. 183
benen Zustande trafen, nicht allein dem von ihr angegebenenGrunde ihres Schreiens, sondern fügten noch hinzu, dieArtigkeit und das zierliche Wesen des Grafen seien allein,um zu diesem Ende zu gelangen, so geraume Zeit vonihm geübt worden. So lief denn Alles wüthend nachdem Hause des Grafen, um ihn "zu verhaften, und plün-derte und zerstörte es, als er nicht mehr gefunden ward,bis es der Erde gleich war. Auch kam die Neuigkeit,entstellt, wie sie zu Paris erzählt wurde, in das Heer desKönigs und seines Sohnes; und diese verurtheilten, hoch-erzürnt über solchen Frevel, den Grafen und seine Nach-kommen zu ewiger Verbannung und versprachen einemJeden, der sie lebend oder todt einbrächte, die größten Ge-schenke.
Es betrübte den Grafen, daß er, seiner Unschuld un-geachtet, durch die Flucht den Schein der Schuld auf sichgeladen, doch ließ er darum nicht von seiner Eile nach,kam unerkannt mit seinen Kindern nach Calais, schifftevon dort eilig nach England hinüber und machte sich inärmlicher Kleidung nach London auf den Weg. Bevorer indeß in diese Stadt eintrat, unterwies er seine beidenKinder ausführlich, besonders aber in zwei Punkten: er-stens, daß sie die dürftige Lage, in welche das Schicksalohne ihre Schuld sie gemeinschaftlich gestürzt, geduldigertragen möchten, dann aber, daß sie, so lieb ihnen ihrLeben sei, mit der möglichsten Sorgfalt vor Jedermannverborgen halten möchten, woher und wessen Kinder sieseien. Der Sohn hieß Ludwig und zählte etwa neunJahre, dis Tochter, die Vivlante hieß, hatte deren ohnge-fähr sieben, und beide faßten, soweit ihr zartes Alter eszuließ, die Unterweisungen ihres Vaters wohl auf, wiedas später der Erfolg bewies. Damit indeß der Zweckleichter erreicht werden könne, glaubte der Vater die Na-men der Kinder verändern zu müssen und nannte denKnaben Pierrot und das Mädchen Jeannette. Als sienun in ärmlicher Tracht nach London gekommen waren,