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Zweiter Lag. Achte Geschichte-
und es ihm an einer Frau fehlte, meinte sie mit leichterMühe zur Erfüllung ihres Wunsches zu gelangen undentschloß sich, da derselben, nach ihrem Dafürhalten, alleinihre Scham im Wege stand, diese völlig abzuthun undsich ihm ganz zu offenbaren.
In dieser Absicht schickte sie eines Tages, als sie ebenallein war, und die Zeit ihr zu ihrem Vorhaben gelegenschien, nach ihm, als ob sie über andere Dinge mit ihmzu reden habe. Der Gras, dessen Gesinnung von denWünschen der Dame weit entfernt war, gehorchte augen-blicklich diesem Befehle. Schon hatte er sich auf ihr Ge-heiß in einem Gemache, in welchem er sich mit ihr alleinbefand, neben sie auf ein Ruhebette gesetzt und sie zuzweien Malen, ohne Antwort zu erhalten, nach der Ur-sache gefragt, um derentwillen sie ihn habe kommen lassen,als sie endlich von der Liebe überwältigt, obwol vor Schammit Purpurröthe überzogen, zitternd und mit unterbrochenerRede also zu sprechen begann: „Theurer und geliebterFreund, dem ich angehöre, Euch, als einem so verständi-gen Manne, ist die Gebrechlichkeit, der Männer sowolals der Frauen, obgleich ihr aus verschiedenen Gründen dieeine mehr als die andere unterliegt, sicher nicht unbe-kannt. Mit Rücksicht auf sie wird ein gerechter Richterdieselbe Sünde nach Verschiedenheit der Personen nichtmit derselben Strafe belegen. Und wer könnte denn wolleugnen, daß ein armer Mann, oder ein armes Weib, diesich mit dem eignen Schweiße verdienen müssen, was siezu ihres Lebens Unterhalte bedürfen, weit mehr zu tadelnwären, wenn sie sich von der Liebe verlocken ließen undihren Reizungen folgten, als wenn eine Frau es thut, diein Reichthum und Muße sich nichts von Dem zu versa-gen gewohnt ist, wonach sie ein Verlangen empfindet?Mich dünkt, gewißlich Niemand. So glaube ich denn,daß die erwähnten Umstände zur Entschuldigung Derjeni-gen, für welche sie eintreten, großes Gewicht haben müssen,wenn sie sich so weit vergißt, der Liebe Gehör zu geben.