Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
179
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Der Graf von Antwerpen. 179

erbitterte Kriege entstanden. In Folge dieser stellten ein-mal der König von Frankreich und sein Sohn, theils zurVertheidigung des eigenen Landes, theils aber auch, umdas fremde anzugreifen, mit aller Anstrengung des Reichesund mit Unterstützung aller Freunde und Verwandten, diederen bieten konnten, ein großes -Heer gegen den Feindins Feld. Bevor sie aber zum Heere abreisten, verord-neten sie, um das Reich nicht ohne Führung zu lassen,den Grafen Walther von Antwerpen, einen Mann vonedlem Hause und großer Einsicht, der ihnen, wie sie wuß-ten, besonders treu, ergeben und befreundet war, zum all-gemeinen Reichsverweser. Denn, obgleich dieser in derKriegskunst wohl erfahren war, so glaubten sie ihn den-noch mehr zu dem weichen Hofleben als zu den Anstren-gungen des Feldes geeignet. So fing denn Walther mitVerstand und Umsicht das ihm übertragene Amt zu führetans und zog dabei jedes Mal die Königin und ihre Schwie-gertochter zu Rathe, welche er Beide, wenn sie gleich seinerAufsicht und Lenkung anvertraut waren, immer als seineObern und Gebieterinnen behandelte.

Walther war ein schöner Mann zu nennen; er mochtevielleicht vierzig Jahre alt sein und war so wohlgesittetund so unterhaltend, als ein Edelmann es nur immersein kann. Dabei war er der sauberste und zierlichsteRitter seiner Zeit und zeichnete sich durch reichgeschmücktenAnzug vor allen Andern aus. Seine Frau war ihm be-reits gestorben und ihm von ihr nur ein Sohn und eineTochter geblieben, die Beide klein waren, und so geschahes, daß, während der König von Frankreich und sein Sohnden erwähnten Krieg verfolgten, und Walther deshalb denHof der beiden Frauen oft besuchte und über die Angele-genheiten des Reiches mit ihnen sprach, die Gemahlin desKönigssohnes ein Auge auf ihn warf, seine Gestalt undseinen Sitten mit leidenschaftlicher Vorliebe betrachtete undim Verborgenen in glühender Liebe für ihn entbrannte.Da sie sich nun bewußt war, jung und hübsch zu sein,