174 Zweiter Tag. Siebente Geschichte.
nicht weniger freundlich ausgenommen. Kaum hatte sichindeß die junge Fürstin ein wenig ausgeruht, so wollte derSultan von ihr hören, wie sie am Leben geblieben sei, undwo sie so lange Zeit über sich aufgehalten habe, ohne ihmjemals von ihrem Zustande einige Kunde zu geben. DaraufHub die Dame, die des Antigonus Unterricht vollkommenaufgefaßt hatte, also zu ihrem Vater zu reden an:
„Es mochte etwa am zwanzigsten Tage nach meinerAbreise von Euch, mein Vater, sein, als ein fürchterlicherSturm unser Schiff zerschellte und Nachts gegen eineKüste im Westen, nahe bei einem Orte trieb, der AiguesMortes genannt wird. Was aus den Männern gewordensei, die sich auf dem Schiffe befanden, habe ich niemalserfahren und erinnere mich nur, daß, wie ich mit demandern Tage mich gleichsam von den Tobten erwacht fühlte,ich nebst zweien meiner Begleiterinnen von den Bewoh-nern jenes Landes, die das gestrandete Schiff inzwischenbemerkt hatten und von allen Seiten zusammengelaufenwaren, um es zu berauben, erst ans Land getragen wurde,und dann mehrere junge Männer, jeder Eine von unsergriffen und nach verschiedenen Richtungen mit ihr da-von eilten. Von jenen Beiden habe ich nie etwas Wei-teres vernommen. Mich aber hatten, trotz meines Wider-standes zwei Männer ergriffen und zogen mich, untermeinen Thränen, bei den Haaren hinter sich her. Dageschah es, daß vier Ritter, als Jene mich über eine Heer-straße weg eben in einen dichten Wald schleppen wollten,desselben Weges gezogen kamen. Sobald meine Räuberjene Viere sahen, ließen sie mich plötzlich los und begabensich auf die Flucht. Die vier Ritter, die von ehrbaremund gesetztem Aussehen waren, kamen, als sie Jene fliehensahen, auf mich zu und fragten mich Vielerlei, auch sprachich viel zu ihnen, doch verstanden sie mich eben so wenigals ich sie. Darauf hielten sie lange miteinander Rathund hoben mich endlich auf eines ihrer Pferde und führtenmich in ein nach ihren Religionsgesetzen eingerichtetes