172 Zweiter Tag. Siebente Geschichte.
dern bat ihn, sich ein wenig zu ihr niederzusetzen. An-tigonus gehorchte ihr und fragte sie dann voller Ehrer-bietung, wie, wann und woher sie nach Baffa gekommensei, wahrend man im ganzen Lande Aegypten es für aus-gemacht hielte, daß sie schon vor mehreren Jahren imMeere ertrunken sei. Die Dame antwortete ihm: „WollteGott, ich wäre es wirklich, statt solch ein Leben führenzu müssen, als ich es gemußt habe; und, wenn meinVater es jemals erfahrt, so wird er gewiß ebenso sprechen,"und mit diesen Worten sing sie aufs neue gar erbärmlichan zu weinen. Darauf sagte ihr Antigonus: „Madonna,verliert nur den Muth nicht eher, als Ihr dazu wahrenAnlaß habt. Wenn es Euch beliebt, so erzählt mir EureUnfälle, und was für ein Leben Ihr habt führen müssen.Immer möglich, daß Alles noch so abgelaufen ist, ummit Gottes Hülfe einen genügenden Ausweg finden zulassen." „Antigonus," erwiderte die Schöne, „als ich Dicherblickte, war mir's nicht anders, als sähe ich meinenVater, und die Liebe und die Zärtlichkeit, die ich ihmschuldig bin, machten, daß ich mich Dir entdeckte, währendich mich verborgen halten konnte. In der That wüßte ichWenige, mit denen zusammenzutreffen mir so lieb gewesenwäre, als es mir ist, Dich zuerst und vor allen Uebrigengesehen und erkannt zu haben; und so will ich denn Dir,wie einem Vater, Das entdecken, was ich während meinerMißgeschicke immer sorgfältig verborgen habe. Siehst Dualsdann, nach Dem was Du sogleich erfahren wirst, irgendein Mittel, mich in meine frühere Lage zurückzubringen,so bitte ich Dich, es anzuwenden; siehst Du aber keines,dann bitte ich Dich, Niemandem zu sagen, daß Du michgesehen oder das Mindeste von mir gehört habest."
Nach dieser Einleitung berichtete sie ihm unter fort-dauernden Thränen, was ihr von dem Tage an, wo siebei Majorca gestrandet, bis zu dem Augenblick, in demsie erzählte, begegnet war. Auch Antigonus mußte beidiesem Berichte vor Mitleid weinen; dann aber sagte er