170 Zweiter Lag. Siebente Geschichte.
vergessen, damit ich noch jenseit mich rühmen könne, daßmich bier das schönste Weib, das jemals von der Naturgeformt ward, geliebt habe. Wollt Ihr mir diese beidenDinge verheißen, so werde ich sicher beruhigt diese Weltverlassen." Der Kaufmann sowol als die Dame weintenbei diesen Worten, sprachen ihm, als er ausgeredet hatte,Muth zu und versprachen ihm auf ihr Wort, im Falleer sterben sollte, nach seinen Wünschen zu thun. Nichtlange darauf verschied er und wurde ehrenvoll von ihnenbegraben.
Einige Tage später hatte auch der cyprische Kaufmannseine Geschäfte in Rhodus vollendet und war im Begriff,auf einem catalonischen Schiffe, das dort vor Anker lag,nach Cypern zu reisen; doch fragte er zuvor die schöneDame, was sie zu thun beschlossen, indem er jetzt in seineHeimat zurückkehren müsse. Die Dame erwiderte ihm,sie werde, wenn er anders nichts dagegen habe, ihn gernebegleiten, da sie voraussetze, daß er sie, dem Antiochuszu Liebe, als eine Schwester ansehen und behandeln werde.
Der Kaufmann erklärte mit Allem, was ihr gefällig seinwürde, zufrieden zu sein und gab, um sie vor aller Ver-unglimpfung auf der Reise nach Cypern zu schützen, siefür seine Frau aus. Auf dem Schiffe wurde ihnen einKämmerchen im Hintertheile angewiesen, und sie schliefen,um nicht durch die That ihren Worten zu widersprechen,in einem kleinen Bettchen Beide miteinander. So geschahdenn, was bei der Abreise von Rhodus weder des Einennoch des Andern Absicht gewesen war; Nacht, Gelegen-heit und die Warme des Bettes, deren erregende Kräftenicht gering sind, ließen sie die Freundschaft für den ver-storbenen Antiochus vergessen, und sie schlossen, von ähn- ;licher Lust gezogen und gleichzeitig einander anregend, noch >ehe sie nach Baffa, dem Wohnorte des Cypriers, gelang-ten, miteinander Schwagerschaft.
Als nun die Dame in Baffa noch einige Zeit beidem Kaufmanns gewohnt hatte, kam glücklicher Weise ein