166 Zweiter Lag. Siebente Geschichte.
übertragen hatte. In Athen bei seiner Schwester ange-langt, brachte er nach einigen Tagen das Gespräch aufdie Kränkung, welche der Herzog, ihrer Meinung nach,durch seine Leidenschaft für jene Fremde ihr anthue, undsagte, wenn sie anders wolle, könne er leicht ihren Be-schwerden dadurch abhelfen, daß er Jene ihrem Aufent-haltsorte entreiße und anders wohin führe. Die Herzoginbilligte, in dem Wahne, dies Alles geschehe nur ihr, nichtaber der Fremden zu Liebe, diesen Plan vollkommen, wennanders so dabei zu Werke gegangen würde, daß der Her-zog nie zu erfahren bekomme, sie habe in die Sache ge-willigt. Konstantin sagte ihr das auf das bestimmtestezu, und die Herzogin gab nun ihre Zustimmung, daßJener verfahren möchte, wie cs ihm am besten dünkenwürde.
Darauf ließ Konstantin ein kleines Fahrzeug in derStille bewaffnen und schickte dies eines Abends mit meh-reren der Seinigen bemannt, die er zuvor von Dem, wassie zu thun hätten, unterrichtet, in die Nähe des Gartens,wo die Dame verweilte. Dann begab er selbst mit eini-gen Andern sich nach dem Schlosse der letzteren und wurdedort sowol von Denen, die zu ihrem Dienste bestimmtwaren, als von ihr selber freundlich empfangen. Auf seinenWunsch ging sie, von ihren eignen Dienern und vonKonstantin's Gefährten begleitet, mit ihm in den Garten,er aber führte die Dame, als ob er im Namen des Her-zogs mit ihr zu reden habe, allein nach einer Thür zu,die auf das Meer hinauswies. Diese war inzwischen schonvon einem der Seinigen eröffnet, das Fahrzeug erschienauf das verabredete Zeichen sogleich, und die Dame wurdeschnell ergriffen und hineingetragen. Hierauf wandte sichKonstantin zu ihrer Dienerschaft und sagte: „Keiner, dernicht des Todes sein will, wage es, sich zu bewegen, odereinen Laut von sich zu geben; denn ich bin nicht geson-nen, dem Herzog seine Geliebte zu rauben, sondern nur,die Schande zu tilgen, die er meiner Schwester anthutA