162 Zweiter Tag. Siebente Geschichte.
denn eines Tages, zufolge der schändlichen, von ihm miteinem vertrauten Diener des Fürsten, der Kyriakos hieß,getroffenen Verabredung, seine Pferde und sein Gepäck inaller Stille zur Abreise bereiten. Die Nacht darauf öffneteKyriakos ihm und einem Gefährten, Beide bewaffnet, leisedas Zimmer des Fürsten, der, um der großen Hitze willen,wahrend die Dame schlief, sich ganz nackt an ein Fenstergegen das Meer hinaus gelegt hakte, um sich an demleichten Winde, der von dort herüberkam, etwas zu kühlenDer Herzog, der seinen Begleiter im Voraus von Demunterrichtet hatte, was zu thun wäre, ging sachte durchdas Zimmer hindurch bis ans Fenster und stieß, ehe derFürst ihn bemerken konnte, diesem ein Messer so tief indie Seite, daß es auf der andern Seite wieder herauskam. Dann ergriff er schnell die Leiche und stürzte siezum offenen Fenster hinaus. — Es war der Palast hochgegen das Meer hinausgebaut, und das Fenster, an demder Fürst gestanden, hatte die nächste Aussicht auf einpaar Hauser, die von der Gewalt des Meeres zusammen-gefallen waren und daher selten oder niemals betretenwurden. So geschah es denn, daß, wie der Herzog sichdessen im Voraus versehen hatte, Niemand es gewahrwurde oder gewahr werden konnte, als die Leiche des Für-sten hinunterstürzte. Sobald der Begleiter des Herzogssah, was geschehen, warf er, unter dem Scheine ihn zuliebkosen, dem Kyriakos einen Strick um den Hals undzog diesen so fest an, daß er keinen Lärm zu machen im? Stande war, bis der Herzog dazu kam; worauf sie ihn
erdrosselten und eben dahin warfen, wohin sie den Fürstenbereits geworfen.
Nachdem dies Alles vollbracht war und der Herzogsicher sein konnte, daß weder die Dame noch sonst Je-mand etwas davon bemerkt habe, nahm er ein Licht indie Hand, ging damit an das Bett und deckte die Dame,die noch ruhig schlief, leise völlig auf. Ihre Formen, dieer nun enthüllt sah, schienen ihm von vollendeter Schön-