junger Herr von einnehmendem Wesen, der mit dem Für-sten verwandt und befreundet war, Lust, sie zu sehen. Zudem Ende gab er vor, er wolle, wie er das wol zuwei-len zu thun pflegte, seinen Vetter besuchen, und kam inerlesener und ehrenvoller Begleitung nach Clarenza, wo ermit Freuden und Auszeichnungen' empfangen ward. Nacheinigen Tagen brachte der Herzog die Rede auf die Schön-heit der Dame und fragte den Fürsten, ob sie denn wirk-lich so erstaunlich sei, als man erzählen wollte. Daraufantwortete der Fürst: „Sie ist viel schöner, als man vonihr sagt, allein, nicht meine Worte, sondern Deine Augensollen Dich davon überzeugen." Der Herzog trieb denFürsten zur Erfüllung dieses Versprechens, und so gingensie miteinander dahin, wo die Dame sich aufhielt. Dieseempfing sie zuvorkommend und höflich, und mußte sichzwischen Beiden niedersetzen, obgleich sie das Vergnügen,mit ihr zu reden, nicht genießen konnten, weil sie von derSprache jenes Landes wenig oder nichts verstand. Sokonnten denn die Beiden sie nur gleich einem Wunderbestaunen, und besonders that dies der Herzog, der sichkaum zu überreden vermochte, daß sie ein sterbliches Wesensein sollte. Glaubte er indeß durch das Beschauen seineLust zu stillen, so verwickelte er sich selbst in deren Fesseln,indem er zugleich das Gift der Liebe mit den Augen ein-sog und in heftiger Glut für die Dame entbrannte. Alser aber dann mit dem Fürsten von ihr gegangen war undMuße hatte, sich mit sich selber zu besprechen, erachtete erdiesen für glücklich vor allen Andern, daß er sich des vollenBesitzes einer solchen Schönheit freuen dürfe.
Mancherlei Gedanken stiegen in ihm auf, endlich aberüberwog die Glut der Liebe die Rechtlichkeit, und er be-schloß, was immer daraus werden sollte, dem Fürstendieses Glück zu entreißen und selber dessen zu genießen.Er glaubte die Ausführung dieses Vorsatzes beschleunigenzu müssen und sann, der Vernunft und der Gerechtigkeitzum Trotz, aus nichts als Trug und List. So ließ er