160 Zweiter Tag. Siebente Geschichte.
nicht nur fand sie sich nun allein und ohne Rathgeber aufdem Schiffe, sondern sie besorgte auch, der Zorn der Freundeund Angehörigen der beiden Schiffsherren möchte sich gegensie wenden. Doch die Bitten des Verwundeten und diebaldige Ankunft in Clarenza befreiten sie von der letztemGefahr.
Kaum war sie an diesem Orte angelangt und mitdem Verwundeten in demselben Haufe eingekehrt, als sichauch das Gerücht von ihrer großen Schönheit durch dieStadt verbreitete und bis zu den Ohren des Fürsten vonMorea drang, welcher damals in Clarenza verweilte. Sowurde er begierig, sie zu sehen, und verliebte sich, wie ersie gesehen und noch weit schöner, als das Gerücht sieschilderte, gefunden hatte, so heftig in sie, daß er an nichtsAnderes zu denken im Stande war. Als er die Art, wiesie nach Clarenza gekommen war, erfuhr, schöpfte er Hoff-nung, daß er sie werde erlangen können, und wirklichschickten die Angehörigen des Verwundeten sie dem Für-sten ohne Weiteres zu, sobald sie dessen Lust erfahren,während dieser noch darüber nachdachte, wie er sie gewin-nen wollte. Die Freude des jungen Fürsten war groß,aber auch der Dame war dies Ereigniß, durch welches siesich von einer großen Gefahr gerettet glaubte, erwünscht.Der Fürst errieth aus den königlichen Sitten, die sie nochaußer der Schönheit schmückten, ob er gleich keine andereNachricht über sie erlangen konnte, daß sie von edlemStamme sein müsse. Und dadurch steigerte sich seine Liebezu ihr in solchem Maße, daß er sie in allen Stückennicht als Bettgenossin behandelte, sondern als rechtmäßigeGemahlin ehrte. Durch diese Behandlung schöpfte dieDame, die ihre jetzige angenehme Lage mit ihren früherenUnfällen verglich, neuen Muth; ihre frühere Munterkeitkehrte wieder und ihre Reize gewannen wieder solche Frische,daß man in ganz Romania von nichts Anderem redenhörte.
Dadurch bekam der Herzog von Athen, ein schöner,