Alatiel.
159
Betragen dergestalt, daß sie alles Andere darüber vergaßenund nur bemüht waren, ohne daß Marato den Grund davongewahr werden konnte, ihr zu dienen , und ihr Gefälligkeitenzu erweisen. Da sie bald gegenseitig ihre Leidenschaft be-merkten, besprachen sie sich darüber insgeheim und beschlossen,den Gegenstand ihrer gemeinsamen Liebe, als ob Liebedergleichen vertrüge, wie eine Kaufmannswaare oder wieeinen Gewinn miteinander zu erwerben. Weil aber Ma-rato sie auf das eifersüchtigste bewachte und so ihren Ab-sichten entgegentrat, gingen sie eines Tages, wahrend dasFahrzeug besonders schnell segelte, Beide in Uebereinstim-mung auf Jenen, der am Hintertheile stand und, ohnesich von ihnen etwas Arges zu vermuthen, ins Meer sah,zu, faßten ihn plötzlich von hinten und warfen ihn insMeer. So fuhren sie denn weiter als eine Miglie, ohnedaß Jemand gewahr wurde, Marato sei ins Meer ge-fallen. Als es aber endlich die junge Dame erfuhr, singsie abermals auf dem Schiffe zu weinen und zu klagenan- Sogleich eilten die beiden Liebenden, sie zu trösten,und redeten ihr, so wenig sie davon verstand, mit süßenWorten und großen Versprechungen auf das eindringlichstezu, obgleich sie weniger den verlorenen Gemahl als ihrMisgeschick beweinte. Als sie nach langen und zu ver-schiedenen Zeiten gepflogenen Reden sie einigermaßen be-ruhigt zu haben meinten, besprachen sie sich untereinander,wem von ihnen sie zuerst zufallen sollte. Da nun aberein Jeder von Beiden der erste sein wollte und kein Mittelzur Einigung zu finden war, geriethen sie in heftigenWortwechsel und erhitzten sich dabei so sehr, daß sie end-lich zu den Messern griffen, wüthend übereinander Hersie-len und, ohne daß die klebrigen, die sich auf dem Schiffebefanden, sie zu trennen vermocht hatten, sich so gefähr-liche Stöße beibrachten, daß der Eine auf der Stelle todtniedersiel und der Andere zwar am Leben blieb, aber anmehreren Theilen des Körpers schwere Wunden davontrug.Die junge Dame bedauerte dies Ereigniß gar sehr; denn