146 Zweiter Tag. Sechste Geschichte.
winnen hoffen würde." Darauf ließ Currado die beidenFrauen Hereinrufen und diefe bezeugten den Neuverlvbtenihre herzlichste Freude, ohne sich jedoch erklären zu können,wodurch jener plötzlich so milde gestimmt worden sei, daß erder Spina den Giannotto zum Manne gegeben. Frau Beri-tola faßte indeß, in Folge der früheren Reden Currado's,schnell den Jüngling in's Auge, und eine geheime Kraft wecktein ihr die Erinnerungen der kindlichen Züge ihres Sohnes,daß sie ihn wiedererkannte und, ohne westeren Aufschlußzu erwarten, ihm mit offenen Armen um den Hals sielund vor dem Uebermaße mütterlicher Liebe und Freudekein Wort zu sprechen vermochte, sondern aller Lebenskraftberaubt, gleich einer Tobten an die Brust ihres Sohnessank. Wohl wunderte sich dieser, daß er sie früher indemselben Schlosse oftmals gesehen und nie gekannt ha-ben sollte, doch regte sich schnell in ihm das Blut, daser von ihr empfangen, und er schalt sich selber wegen sei-ner früheren Sorglosigkeit, faßte sie weinend in seine Armeauf, und küßte sie auf das zärtlichste. Als Frau Beri-tola unter dem liebevollen Beistand der Gemahlin Curra-do's und der Spina durch kaltes Wasser und andereMittel ihre verlorenen Kräfte wieder gefunden hatte, um-faßte sie ihren Sohn unter vielen Thränen und zärtlichenWorten voller mütterlicher Liebe auf's neue und küßte ihnwol tausend Mal, er aber zeigte ihr in Allem die kindlichsteEhrerbietung.
Nachdem sie drei Mal oder vier Mal schon voll Zärtlich-keit und Anstand sich umfangen, und die Umstehenden sichdes rührenden Schauspiels erfreut hatten, erzählten sie ein-ander Alles, was sich mit ihnen zugetragen. Dann abersagte Giuffredi zu Currado, der einige seiner Freunde, zuderen großer Zufriedenheit, schon von dem neugeschlossenenBunde benachrichtigt hatte und eben ein großes und glän-zendes Fest veranstaltete: „Currado, Ihr habt mir schonmanche Freude gewahrt und lange Zeit meine Mutterehrenvoll beherbergt. Ich bitte Euch nun, daß Ihr, um