Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
145
Einzelbild herunterladen
 

Beide vollzogen alsdann mit herzlicher Uebereinstimnmngin Currado's Gegenwart ihre Verlobung nach der bei unsüblichen Form. Einige Tage lang verschwieg Curradodas Geschehene vor Jedermann und versorgte indessen dieVerlobten mit Allem, was sie bedurften, oder sich wünsch-ten. Als es ihm endlich Zeit zu sein schien, die Mutterdes jungen Paares an dieser Freude Theil nehmen zulassen, rief er seine Gemahlin und die Eavriuola zu sichund sprach also zu der letzten:Was würdet Ihr wol da-zu sagen, Madonna, wenn ich Euch Euren ältesten Sohnals den Mann einer meiner Töchter wiederbrachte?" Da-rauf erwiderte Eavriuola:Was sollte ich Anderes daraufsagen, als daß ich, wenn es anders möglich wäre, Euchgrößeren Dank schuldig zu sein, als dies bereits der Fallist, Euch noch viel dankbarer sein müßte, weil ich vonEuch empfangen würde, was ich lieber als mich selber habe?Und wenn Ihr ihn mir so wiedergabet, wie Ihr sagtet,so würdet Ihr die langst erloschene Hoffnung in mir ei-nigermaßen wieder beleben," und als sie das gesagt hatte,weinte sie und schwieg. Da fragte Currado seine Gemah-lin:Was würdest Du denn davon halten, Frau, wennich Dir so einen Schwiegersohn schenkte?"Mir," ent-gegnen die Frau,würde nicht nur Einer von ihremHause, das ein adeliches ist, sondern der Geringste rechtsein, sobald es Euer Wille wäre.Nun denn," sagteCurrado,so denke ich wol, daß ich Euch in ein paarTagen solch eine Freude machen will."

Als die jungen Leute nach einiger Zeit ihr früheresAussehen wieder gewonnen hatten, hieß Currado sie. kost-bare Kleider anlegen und fragte den Giufsredi:Würdees wol Deine Freude noch erhöhen können, wenn DuDeine Mutter hier sähest?"Es scheint mir unglaublich,"entgegnete Giufsredi,daß der Schmerz über ihre Unfällesie am Leben gelassen haben sollte; wäre es aber dennochder Fall, so würde meine Freude groß sein, weil ich haupt-sächlich durch ihren Rath mein Änsehn in Sicilien zu ge-Dekameron. I. 7