Madonna Beritola.
143
liche Beweise fand, daß Jener wirklich Giuffredi, der Sohndes Arrighetto Capece, sei, sagte er zu ihm: „Giannotto,Du weißt selber, welche, und eine wie schwere Beleidi-gung Du mir in meiner eignen Tochter angethan hast,wahrend es Dir, den ich freundlich und gut behandelte,als einem Diener geziemte, meine Ehre und die Ehre allesDessen, was mir gehört, immer aufrecht zu halten undzu befördern. Wahrlich, Viele würden, wenn Du ihnengethan hättest, was Du mir thatest, Dich eines schmäh-lichen Todes haben sterben lassen; doch gab mein Mit-leiden das nicht zu. Weil Du nun aber wirklich, sowieDu mir sagst, eines edlen Vaters und einer edlen MutterSohn bist, so bin ich, wenn Du anders willst, geneigt,Deinen Leiden ein Ende zu machen, Dich aus dem Elendeder Gefangenschaft, in der Du Dich befindest, zu befreienund Deine und meine Ehre auf genügende Weise wiederherzustellen. Spina, zu der Du eine liebevolle, obwolfür Dich und sie ungeziemende Neigung hegtest, ist, wieDu weißt, Witwe, ihre Mitgift ist bedeutend und stcker;wie ihre Sitten, wer Vater und Mutter seien, ist Dirbekannt, und in welcher Lage Du selber Dich jetzt befin-dest, darüber schweige ich gänzlich. Dem Allen zufolgebin ich nun, wenn es Dir recht ist, bereit, Spina, welcheunehrbarer Weise Dir Freundin war, zu Deiner ehrbarenFrau zu machen, und dann magst Du, wie mein eignerSohn, hier am Orte mit mir und mit ihr so lange wei-len, als es Dir gefallen wird."
Allerdings hatte die Gefangenschaft Giannotto's Leibabgemagert, seine adlichen und mit der Geburt ihm ver-erbten Gesinnungen aber waren um nichts geschwächtworden, und eben so unversehrt hatte sich in ihm auch dieLiebe zu seiner Dame erhalten. Obgleich er also auf daslebhafteste Das begehrte, was Eurrado ihm anbot, undobgleich er sich in dessen Gewalt befand, so milderte erum deshalb nichts von Dem, was er nach seinem edlenStolze sagen zu müssen glaubte. „Eurrado," erwiderte