Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
138
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138 Zweiter Lag. Sechste Geschichte.

zu reifen. Doch bedang sich Frau Beritola aus, daß diebeiden Rehlein und deren Mutter, die inzwischen zurück-gekommen war und zu nicht geringer Verwunderung derEdelfrau jene geliebkost hatte, sie begleiten dürften. So-bald nun wieder gutes Wetter ward, ging Frau Beritolamit Currado und seiner Gemahlin zu Schiffe, und mitihnen wurden auch das Reh und die Kleinen eingeschifft,von denen der Name Cavriuola auf Frau Beritola, derenwahren Namen die Uebrigen nicht wußten, überging. Eingünstiger Wind brachte sie schnell zur Mündung der Magra,wo sie ausstiegen und sich nach den Schlössern des Cur-rado begaben. Hier lebte dann Frau Beritola in Wit-wentracht, wie eine Untergebene der Gemahlin des Cur-rado, ehrbar, bescheiden und gehorsam, und liebte ihreRehe und sorgte für deren Futter.

Inzwischen waren die Corsaren, die in Ponza dasSchiff geraubt hatten, auf welchem Frau Beritola ge-kommen, mit allen Uebrigen, bis auf sie, welche unbe-merkt geblieben war, nach Genua gefahren. Hier war dieBeute unter den Eigenthümern getheilt worden, und eshatte sich getroffen, daß unter mehreren andern Stückendie Amme der Frau Beritola mit den beiden Kindern ei-nem Herrn Gasparrin D'Oria zugefallen war. Dieserschickte Amme und Kinder in sein Haus, um sie als ge-ringe Diener zu den täglichen Geschäften zu gebrauchen.Lange weinte die Amme, ebenso sehr über den Verlust ihrerGebieterin, als über das traurige Loos betrübt, zu demsie mit den beiden Kindern herabgesunken war. Wie sieaber endlich einsah, daß ihre Thranen zu nichts führten, undsie Magd und jene Knechte waren und blieben, beruhigte siesich, besonnen und verständig, wie sie, ihrer Armuth un-geachtet, war, zuerst soviel sie vermochte, und überlegtedann, daß den beiden Kindern, in dem Zustande, in wel-chen sie gerathen waren, ihr wahrer Name, wenn er be-kannt würde, leicht einmal nachtheilig werden könnte.Außerdem gab sie die Hoffnung nicht auf, ihr Schicksal