134 Zweiter Tag. Sechste Geschichte.
den so groß und so anhaltend waren, daß ich, wenn ihnengleich ein frohes Ende folgte, mir doch kaum einredenkann, Jene seien von dem spateren Glücke jemals völligversüßt worden.
Wisset nämlich, liebe Mädchen, daß nach dem TodeKaiser Friedrich des zweiten Manfred zum König vonSicilien gekrönt ward, und daß bei diesem ein Edelmannaus Neapel, Namens Arrighettv Capece, in hohem An-sehen stand, der mit Beritola Caracciola, einer schönenNeapolitanerin von guter Familie, verheirathet war. Wäh-rend dem Arrighettv die Regierung der Insel von Man-fred anvertraut war, erfuhr er, dieser sei zu Beneventvom König Karl besiegt und getödtet worden, und dasganze Königreich wende sich dem Letztem zu. Da er nunin die unsichere Treue der Sicilianer geringes Vertrauensetzte, und dem Feinde seines Fürsten nicht gehorchen wollte,schickte er sich zur Flucht an. Jndeß bekamen die Sici-lianer von seiner Absicht Kunde, setzten schleunig ihn undviele andere Freunde und Diener des Königs Manfredfest und übergaben diese und dann auch den Besitz derInsel dem König Karl. Madonna Beritola, die in sogroßem Umstürze der Dinge nicht wußte, was aus Arri-ghetto geworden sei, ließ, wegen Dessen, was sich bereitszugetragen, in fortwährender Furcht und besorgt, daß ihreEhre gekränkt werden könnte, alles ihr Gehörige zurückund floh mit ihrem etwa achtjährigen Sohne Giuffrediauf einem Kahne schwanger nach Lipari, wo sie einenanderen Knaben gebar und diesen Scacciato nannte.Daraus nahm sie eine Amme und bestieg mit Allen einkleines Schiff, um zu ihren Verwandten nach Neapelzurückzukehren. Doch ging es nicht nach ihrem Wunsche;das Fahrzeug, das nach Neapel bestimmt war, wurdevon der Gewalt des Sturmes nach der Insel Ponza ge-trieben, wo die Schiffer in einen kleinen Meerbusen ein-liesen und günstigeres Wetter abwarteten. Frau Beritolastieg, gleich den Uebrigen, aus der Insel ans Land und