132 Zweiter Lag. Fünfte Geschichte.
Erzbischofs ohnmächtig nieder, sodaß, wer Beide in diesemAugenblicke gesehen hätte, schwerlich im Stande gewesen wärezu erkennen, ob der Erzbischof oder er der mehr todte sei. Alser aber wieder zu sich kam, sing er bitterlich zu weinen an,indem ihm einleuchtete, daß für ihn keine andere Aussichtsei, als entweder, wenn Niemand komme, um ihm dasGrabmal zu eröffnen, dort vor Hunger und vor Gestankmitten unter den Würmern jener Leiche zu sterben, oder,wenn Jemand dazu komme und ihn dort finde, als Diebgehangen zu werden. Während er noch gar trübsinnigsolcherlei Gedanken nachhing, hörte er in der Kirche gehenund viele Leute miteinander reden, welche, wie er zu sei-nem Schrecken vermuthete, in derselben Absicht kamen, dieihn und seine Gefährten hergeführt hatte. Als aber Jenedas Grabmal eröffnet und aufgestützt hatten, stritten siemiteinander, wer hineinkriechen sollte, und Keiner wollte.Endlich und nach langem Zank sagte ein Pfaffe: „Wasfürchtet Ihr Euch denn? Denkt Ihr, er wird Euch fres-sen? Die Tobten beißen Niemand. Ich will selber hinein."Und mit diesen Worten stützte er die Brust auf den Randdes Sarkopbages und streckte, den Kopf nach außen ge-wandt, die Beine hinein, um sich dann hinunterzulassen.Als Andreuccio das sah, richtete er sich auf und faßte denPfaffen bei einem Beine, als ob er ihn niederziehen wollte.Kaum aber fühlte das der Geistliche, so schrie er laut aufund sprang mit einem Satze aus dem Sarge. Darübererschraken denn wieder die Uebrigen so sehr, daß sie davonliefen, als ob hunderttausend Teufel hinter ihnen dreinwären. Wie Andreuccio das gewahr wurde, kroch er, froher,als er je gehofft hatte, aus dem Grabmale, das Jeneoffen gelassen, sogleich heraus und verließ die Kirche aufdemselben Wege, auf welchem er gekommen war. In-zwischen war der Morgen fast herangekommen, und An-dreuccio gelangte, den Ring am Finger, an das Meeres-ufer und von da in sein Wirthshaus, wo seine Gefährtenund der Wirth die ganze Nacht über um seinetwillen in