Andreuccio in Neapel. 129
hört, daß Du Jemandem ein Wort davon sagst." Nachdiesen Worten besprachen sie sich eine Weile miteinanderund sagten dann zu, ihm: „Weißt Du was, Du dauerstuns, und willst Du uns bei Etwas helfen, das wir ebenthun wollen, so denken wir, auf Dein Theil soll wolnoch viel mehr kommen, als was Du eben eingebüßthast." Andreuccio antwortete in der Verzweiflung, er seizu Allem bereit.
Nun war an eben jenem Tage der Erzbischof vonNeapel, der Filippo Minutolo geheißen hatte, mit kost-baren Kleinodien geschmückt und mit einem Rubin amFinger begraben worden, der über fünfhundert Goldgüldenwerth war. Diese Leiche wollten Jene berauben und theil-ten jetzt ihre Absicht dem Andreuccio mit. Andreucciomachte sich, mehr der Gewinnsucht als der Vernunft Ge-hör gebend, mit ihnen auf den Weg. Wahrend sie aberin der Richtung nach der Hauptkirche weiter gingen, sagteder Eine, dem der Gestank zu arg wurde, welchen An-dreuccio verbreitete: „Könnten wir denn nicht Rath schaf-fen, daß sich Der irgendwo ein bischen wüsche und nichtmehr so schrecklich stänke?" Darauf sagte der Andere:„Wir sind hier dicht bei einem Brunnen, an dem ge-wöhnlich eine Rolle und ein großer Eimer zu hängen pflegen;da können wir hingehe-'l und ihn waschen." Wie sie zudem Brunnen kamen, fanden sie zwar den Strick, derEimer aber war weggenommen. Da beschlossen sie denn,ihn an den Strick zu binden und in den Brunnen hin-unterzulassen; uncen sollte er sich waschen und, wenn erdamit fertig wäre, an dem Stricke schütteln, damit sie ihnwieder heraufzögen. So thaten sie auch wirklich; als sieihn aber kaum in den Brunnen hinuntergelassen hatten,kamen von ohngefahr ein paar Hascher, die darüber, daßsie Jemandem bei der großen Hitze nachgelaufen waren,Durst bekommen hatten, an jenen Brunnen, um zu trin-ken. Sobald Andreuccio's neue Gesellen diese erblickten,liefen sie sogleich davon, ohne daß die Hascher, die kamen,
6 **