128 Zweiter Lag. Fünfte Geschichte.
den und sich dort zu baden, links in eine Straße ein, dieRuga Catalana genannt wird. Während er so dem höherenTheile der Stadt zugewandt war, sah er zwei Leute, miteiner Laterne in der Hand, ihm in einiger Entfernungentgegenkommen. In der Meinung, daß es vielleicht Hä-scher oder andere Leute sein möchten, die Böses im Schildeführten, verbarg er sich vor ihnen in ein wüstes Haus,das er in der Nahe sah. Jene aber folgten ihm in ebenjenes Gebäude nicht anders auf dem Fuße nach, als wennsie ausdrücklich dorthin zu gehen beschicken wären. Hierlegte der Eine von ihnen allerhand eiserne Werkzeuge, dieer auf der Schulter hatte, nieder und sing an, sie mitdem Andern zu besehen und allerhand mit ihm darüberzu sprechen. Während sie noch so redeten, sagte der Eine:„Was das nur zu bedeuten haben muß, ich rieche denabscheulichsten Gestank, der mir in meinem Leben vorge-kommen ist." Bei diesen Worten hob er die Laterne einbischen in die Höhe, und da sahen sie denn Beide denarmen Andreuccio und riefen ganz erstaunt: „Wer da?"Andreuccio schwieg; sie aber hielten ihm das Licht näherins Gesicht und fragten, was er so schmuzig, wie er sei,dort mache. Andreuccio erzählte ihnen nun Alles, wasihm begegnet war, und sie erriethen leicht, wo es ihmso gegangen sein mochte, und sagten zueinander: „Dasist gewiß bei Scarabone Buttafuoco geschehen." Daraufsagte der Eine zu Andreuccio: „Guter Freund, wenn Dugleich Dein Geld verloren hast, so kannst Du dennochGott nicht genug dafür danken, daß Du den Fall gethanund in das Haus nicht wieder hast hineinkommen können;denn halte Dich überzeugt, daß, wenn Du nicht gefallenwärest, man Dich umgebracht hatte, sobald Du ein-geschlafen warst, und -dann hättest Du Geld und Lebenzusammen eingebüßt. Was hilft Dir es aber jetzt, dar-über zu weinen? Eben so leicht kannst Du Dir die Sternevom Himmel herunterholen, als einen Kreuzer von demGelde. Todtgeschlagen aber kannst Du werden, wenn er