Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
126
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126 Zweiter Tag. Fünfte Geschichte.

erwachten und, als sie's nicht mehr aushalten konnten, ausdem Bette aufstanden. Inzwischen kam eine Magd desMädchens ans Fenster und stellte sich ganz schläfrig undsagte höhnisch:Wer pocht denn dort unten?"KennstDu mich denn nicht?" sagte Andreuccio,ich bin ja An-dreuccio, der Bruder der Madonna Fiordaliso." Jeneaber antwortete:Guter Freund, wenn Du zu viel getrun-ken hast, so geh und schlafe und komm morgen früh wieder.Ich weiß nicht von was für einem Andreuccio Du redest,noch was Du sonst schwatzest; nun geh mit Frieden undsei so gut und laß uns schlafen."Wie," sagte An-dreuccio,Du weißt nicht, wovon ich rede? Nun, wennes mit den sicilianischen Verwandtschaften so steht, so gibmir wenigstens die Kleider wieder, die oben geblieben sind,und ich will gerne gehn." Zur Antwort lachte ihm dieMagd beinahe ins Gesicht und sagte:Guter Freund, ichglaube, Du redest im Traume", und dies sagen und sichumdrehen und das Fenster zuschlagen, war Eins.

Als dem Andreuccio nun gar kein Zweifel übrig blieb,daß er betrogen sei, ärgerte er sich so sehr, daß sein heftigerZorn sich fast zur Wuth steigerte, und er beschloß, was ermit Gutem nicht erlangen konnte, mit Gewalt durchzu-setzen. Zu dem Ende ergriff er einen großen Stein undsing an, mit viel heftigeren Schlagen als zuvor, gewaltsaman die Thür zu schlagen. Darüber kamen mehrere derNachbaren, die vorher schon erwacht und aufgestandenwaren, in der Meinung, irgend ein ungezogener Menschwolle mit lügenhaften Worten das arme Frauenzimmer argem,aufgebracht über das Pochen, das er verführte, ans Fen-ster und schrien, nicht anders als alle Hunde von einerGasse einen fremden Hund anbellen:Das ist sehr unge-schliffen, um diese Stunde die armen Weiber mit solchemGeschwatze in ihrem eignen Hause zu stören. Geh mitGott, guter Freund, und sei so gut und laß uns schla-fen, und wenn Du was mit ihr zu thun hast, so kommDu morgen wieder; in der Nacht aber laß uns unge-