Andreuccio in Neapel.
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dann ein kleines Mädchen, das sie zu dergleichen Dien-sten gar gut angelehrt hatte, gegen Abend in dasWirthshaus, wo Andreuccio wohnte. Die Kleine fandJenen zum Glücke selber, wie er allein an der Thürstand, und frug ihn nach ihm selbst. Wie er ihr nunsagte, er sei es, zog sie ihn bei Seite und sagte: „Herr,eine Edeldame aus dieser Stadt möchte, wenn es Euchgefällig wäre, gerne mit Euch reden." Andreuccio dachtebei diesen Worten einen Augenblick nach, und, da er sich füreinen hübschen Burschen hielt, vermuthete er, die Edsldamewerde in ihn verliebt sein, als ob es damals in Neapelkeine andern hübschen Leute gegeben hatte. So antworteteer denn schnell, er sei bereit, und fragte nur, wo undwann jene Dame ihn sprechen wolle. „Herr," erwidertedie Kleine, „wenn es Euch gefällig wäre zu kommen, soerwartet sie Euch schon in ihrer Wohnung." Andreuccioversetzte sogleich, ohne auch nur dem Wirthe ein Wortzu sagen: „So geh' denn voraus, ich werde Dir folgen."
Auf diese Weise führte die Kleine ihn in das Hausjenes Mädchens, welches in einer Straße, das finstereLoch benannt, gelegen war, deren Anständigkeit schon derName errathen läßt. Andreuccio freilich wußte und ahnetedavon nichts und trat, in der Meinung, an einen völligehrbaren Ort und zu einer liebenswürdigen Dame zugehen, nach dem Vorgänge der Kleinen unbefangen indas Haus ein. Da die Kleine ihrer Gebieterin bereitszugerufen hatte: „Hier kommt Andreuccio," so trat ihmdiese, als er Hinaufstieg, oben an der Treppe entgegen.Sie war noch ziemlich jung, schlank gewachsen und vonschönem Gesichte, dabei vornehm gekleidet und geschmückt.Als Andreuccio ihr näher kam, ging sie ihm mit offenenArmen auf drei Stufen entgegen, schlang jene fest umihn und verweilte, wie von ausbündiger Zärtlichkeit über-mannt, einige Zeit in dieser Stellung, ohne ein Wort zusagen. Dann küßte sie ihm weinend die Stirne und sagtemit gerührter Stimme: „O mein Andreuccio, sei mir
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