118 ' ' Zweiter Tag. Fünfte Geschichte.
wunderschön, aber auch für geringes Geld bereit war,Jedermann zu Willen zu sein, von ihm ungesehen, vvr-überging und seine Börse ins Auge faßte. Sogleich sagtesie bei sich selber: „Wie gut war' ich daran, wenn dasGeld mein wäre," und damit ging sie weiter. Nun hattedies Mädchen eine Alte bei sich, die gleichfalls aus Sici-lien war. Sowie diese den Andreuccio gewahr wurde,ließ sie ihre Herrschaft weiter gehen und lief auf jenenzu, den sie auf das zärtlichste umarmte. Das Mädchenbemerkte dies und wartete, ohne ein Wort zu sagen, ineiniger Entfernung das Ende jenes Gespräches ab. An-dreuccio hatte inzwischen sich zu der Alten umgewandt, sieerkannt und mit großer Freude begrüßt. Sie versprachihm, zu ihm in sein Wirthshaus zu kommen, und gingdann nach kurzer Unterhaltung wieder weiter. Er aberfuhr zu feilschen fort, ohne jedoch für den Morgen Etwaseinzukaufen.
Das Mädchen, das zuerst Andreuccio's vollen Beutelund dann seine Bekanntschaft mit ihrer Alten gesehenhatte, trug sich mit dem Gedanken, ob sie nicht ein Mittelfinden könnte, jenes Geld oder wenigstens einen Theildavon zu erlangen, und fragte zu dem Ende die Altevorsichtig aus, wer der Fremde sei, was er hier suche undwoher sie ihn kenne. Diese erzählte ihr Alles, was dieAngelegenheiten des Andreuccio betraf, kaum minder genau,als er selber es hätte thun können; denn sie hatte langeZeit in Sicilien und dann in Perugia bei seinem Vatergedient. Ebenso gab sie über seine Wohnung und denZweck seiner Reise ihr die nöthige Auskunft. Wie dasMädchen solchergestalt seine ganze Verwandtschaft undderen Namen hinreichend kennen gelernt hatte, bauetesie auf diese Kenntniß eine sinnreiche Erfindung, durchwelche sie ihren Zweck zu erreichen dachte. Zu dem Endegab sie der Alten, sobald sie zu Hause gekommen war,Bestellungen für den ganzen Tag zu thun, damitsie nicht mehr zum Andreuccio gehen sollte, und schickte