Andreuccio in Neapel.
117
Fünfte Geschichte.
Andreuccio von Perugia kommt nach Neapel, um Pferde zu kau-fen, und geräth drei Mal in einer Nacht, in Lebensgefahr , wel-cher er jedoch jedes Mal entgeht und mit einem Rubin in seineHeimat znrückkehrt.
„33ei den Edelsteinen, die Landolfo gefunden," begannFiammetta, welche die Reihe des Erzählens traf, „ist mireine Geschichte eingefallen, die kaum weniger Gefahrenenthält, aber darin von der verschieden ist, die Laurettauns erzählt hat, daß jene sich vielleicht während mehrer Jahre,diese aber, wie Ihr hören werdet, in dem Zeitraum einereinzigen Nacht zugetragen hat."
Es lebte, wie mir erzählt worden ist, in Perugia einjunger Pferdemäkler, Namens Andreuccio di Pietro, derauf die Nachricht, daß in Neapel ein guter Pferdemarktsei, sich fünfhundert Goldgülden in die Tasche steckte und,ohne je zuvor in der Fremde gewesen zu sein, sich mitmehreren andern Kaufleuten nach jener Stadt auf denWeg machte. An einem Sonntag mit der Dämmerungdort eingetroffen, ging er, nach den Anweisungen, die seinWirth ihm ertheilte, am andern Morgen auf den Markt,wo er zwar viel Pferde besah, an vielen Gefallen fandund um sie feilschte, dennoch aber über keines Handelseinswerden konnte. Um indeß zu zeigen, daß er wirklich zukaufen gedenke, zog er, unvorsichtig und erfahrungslos wieer war, zu wiederholten Malen vor den Augen Aller, dieab- und zugingen, seine Börse voll Gold heraus. Datraf es sich denn, daß, während er so marktete und feinenGeldbeutel sehen ließ, eine junge Sicilianerin, die zwar