116 Zweiter Lag. Vierte Geschichte.
habe verlassen wollen. Weil er aber zwei Mal in kurzerZeit vom Schicksale so hart getroffen war, beschloß er,wegen eines dritten Males besorgt, besonders vorsichtig zuWerke zu gehen, um diese Kostbarkeiten sicher in seineHeimat bringen zu können. Zu dem Ende wickelte er siealle, so gut es gehen wollte, in einige Lumpen und sagtezu seiner Wirthin, einer Kiste bedürfe er nicht mehr;wenn sie ihm aber einen Gefallen thun wolle, so mögesie diese behalten und ihm dafür einen Sack schenken.
Die gute Frau war dazu gern bereit; er aber dankteihr, so herzlich er nur wußte und konnte, für die erzeigteWohlthat, sagte ihr Lebewohl und schiffte, seinen Sacküber die Schultern gehängt, in einem Boote nach Brindisihinüber. Von hieraus ging er, immerfort längs der Küste,bis Trani, wo er einige Tuchhändler fand, die seine Lands-leute waren. Diesen erzählte er alle seine Schicksale, nurdaß er ihnen nichts von der Kiste berichtete, worauf sieihn fast um Gottes willen bekleideten und ihm noch über-dies ein Pferd liehen und Begleitung verschafften, umnach Ravello, wohin er reisen zu wollen erklärte, zu ge-langen.
Hier erst glaubte er sich sicher und öffnete, dankbargegen Gott, der ihn so weit gebracht, seinen Sack undfand bei genauerer Untersuchung seines Inhaltes, als ecsie früher hatte anstellen können, sich im Besitze so vielerund so kostbarer Edelsteine, daß er, bei angemessenem undselbst bei wohlfeilem Verkaufe derselben, mehr als nocheinmal so reich war, wie zur Zeit seiner Abreise. Als erGelegenheit gefunden hatte, dis Steine zu verkaufen, sandteer der guten Frau, die ihn aus dem Meere gezogen, zumDanke für die Wohlthaten, die sie ihm erwiesen, einebedeutende Summe Geldes nach Corfu; ein Gleiches thater den Kaufleuten, die ihn in Trani bekleidet; den Restaber behielt er für sich und lebte damit ehrenvoll bis ansein Ende, ohne sich weiter auf Handelsunternehmungeneinzulassen.