102 Zweiter Tag. Dritte Geschichte.
Sie selber blieben in Florenz und singen, des Zustan-des uneingedenk, in welchen sie früher ihr übertriebenerAufwand gestürzt hatte, und obgleich sie jetzt für Frauund Kinder mit zu sorgen hatten, verschwenderischer alsje zu leben an, sodaß alle Kaufleute die größte Meinungvon ihnen hegten und ihnen jede beliebige Summe an-vertraut hatten. Einige Jahre lang half ihnen das Geld,welches Alessandro ihnen schickte, solchen Aufwand zu bestrei-ten; denn dieser borgte seit einiger Zeit vielen Edelleutenaus ihre Burgen und sonstigen Einkünfte und machtedabei die vortheilhaftesten Geschäfte. Wahrend jedoch diedrei Brüder auf solche Weise verschwendeten und, wennes ihnen an Gelde fehlte, in der festen Hoffnung auf dieSendungen aus England welches aufnahmen, geschahes, daß ln England, was kein Mensch vermuthet hatte,ein Krieg zwischen dem Könige und' einem seiner Söhneausbrach, der die ganze Insel in zwei Parteien theille,indem die eine es mit dem Vater, und die andre mitdem Sohne hielt. Durch diesen Krieg wurden denn auchdem Alessandro alle Burgen der Barone, dis ihm ver-pfändet waren, entrissen, und keine der andern Einkünftegewährte ihm bessere Sicherheit. Da man jedoch voneinem Tage zum andern auf den Frieden zwischen Vaterund Sohn hoffte, in Folge dessen auch dem AlessandroAlles, sowol Zinsen als Capital, hätte wieder erstattet wer-den müssen, verließ dieser die Insel nicht, und die dreiBrüder, die in Florenz wohnten und ihren großen Auf-wand in nichts beschränkten, borgten täglich mehr Geldaus. Als indeß die gehegten Hoffnungen im Verlaufmehrerer Jahre keinen Erfolg hatten, verloren die dreiBrüder nicht allein ihren Credit, sondern sie wurden auchauf Verlangen ihrer Gläubiger, die bezahlt sein wollten,gefangen gesetzt und mußten, da ihre Besitzungen nichtgenügten, um die Schulden zu decken, wegen des Ueber-restes im Gefängnisse bleiben. Ihre Frauen aber und ihrekleinen Kinder suchten theils auf den Dörfern, theils hier