Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
101
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Alessandro und der Lbt- 10t

sowol was für Edelleute sich geziemt, sondern was zuthun ihnen in ihren jugendlichen Sinn kam. Dies Lebenhatten sie noch nicht lange geführt, als der von ihremVater ihnen hinterlassene Schatz sich zu vermindern an-sing und sie genöthigt waren, um den begonnenen Auf-wand, zu dem die bloßen Einkünfte nicht mehr genügten,sortführen zu können, ihre Besitzungen theilweise zu ver-kaufen und zu verpfänden. So büßten sie heute die eineund morgen die andre ein, und wurden es kaum ehergewahr, als bis ihnen fast gar nichts mehr übrig geblie-ben war; da öffnete die Armuth ihre Augen, welche derReichthum verschlossen hatte. Lamberto rief eines Tagesdie beiden andern zu sich, erinnerte sie, welch ein ehren-volles Leben ihr Vater und nachher sie selber geführthatten, wie ausgedehnt ihr Reichthum gewesen sei; dannschilderte er ihnen die Armuth, in die sie durch ihren un-geregelten Aufwand sich gestürzt, und ermahnte sie so nach-drücklich als er konnte, bevor ihre Dürftigkeit noch offen-kundiger würde, gemeinschaftlich mit. ihm das Wenige,das ihnen geblieben war, zu verkaufen und in die Fremdezu gehen.

- Und so thaten sie denn auch wirklich; sie verließenFlorenz, ohne von Jemand Urlaub zu nehmen, in allerStille und ruhten nicht eher, als bis sie in Englandwaren. Hier mietheten sie sich in London ein kleinesHäuschen und singen, bei der größten Sparsamkeit inihren Ausgaben, auf argen Wucher Geld zu leihen an,wobei ihnen das Glück so günstig war, daß sie in wenigJahren sich ein großes Vermögen erübrigten. Daraufreiste bald der Eine, bald der Andre von ihnen nach Flo-renz zurück; sie brachten ihre ehemaligen Besitzungen zumgroßem Theile wieder an sich, kauften noch viele anderedazu und verheiratheten sich in ihrer Heimat. Da sieaber immer noch fortfuhren in England zu wuchern, schick-ten sie einen Neffen von ihnen, Namens Alessandro, dort-hin, um ihre Geschäfte zu besorgen.