Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
96
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lobte die mitleidige Gesinnung ihrer Gebieterin gar sehr,ging und machte ihm auf und führte ihn zu der Witweherein. Als diese sah, wie er fast erfroren war, sagte sieihm:Guter Freund, steige in dies Bad, weil es nochwarm ist." Rinaldo ließ sich das nicht zwei Mal sagen,und fühlte sich durch die Warme des Bades so gestärkt,daß er vom Tode zum Leben gekehrt zu sein glaubte. In-zwischen ließ ihm die Witwe die Kleider zurechtlegen, dieihr Mann kurz vor seinem Tode getragen hatte, und, wieer sie sich anzog, paßten sie ihm, als waren sie auf sei-nen Leib gemacht. Wahrend er nun erwartete, was dieFrau ihm befehlen werde, dankte er Gott und dem heili-gen Julianus, daß sie ihm eine so schlimme Nacht, wieer sie gefürchtet, erspart und ihm ein so gutes Unterkom-men, als dies zu sein schien, zugeführt hatten.

Nachdem die Witwe eine Weile geruht, ging sie ineinen Saal, wo sie ein großes Feuer hatte anzünden las-sen, und fragte, wie cs mit dem fremden Manne gehe.Madonna," antwortete die Dienerin,er hat sich jetztangezogen und ist ein hübscher Mann, und, wie es scheint,gar ordentlich und wohlerzogen."Geh denn," erwidertedie Witwe,ruf ihn und sag ihm, er solle sich am Feuerzu warmen kommen, und dann wird er zu Abend essen,denn ich weiß ja, daß er noch nicht gegessen hat." AlsRinaldo in den Saal eintrat und seine Wirthin sah,wurde er wohl gewahr, daß sie eine Frau von Standesei, und so grüßte er sie ehrerbietig und dankte ihr fürdie erwiesene Wohlthat so sehr, als er es nur immer ver-mochte. Der Witwe aber schien er seinem Aussehn undseinen Worten nach ganz Dem zu entsprechen, was ihreDienerin von ihm gesagt hatte, und so empfing sie ihnfreundlich, hieß ihn sich vertraulich neben sie ans Feuersetzen und befragte ihn wegen des Unfalls, der ihn yer-gesührt hatte. Jener erzählte ihr Alles der Reihe nach,und, da die Witwe von Rinaldo's Diener gehört hatte,als er im Orte angekommen war, maß sie seinen Worten