Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
94
Einzelbild herunterladen
 

94 Zweiter Tag. Zweite Geschichte.

Kalte und bei anhaltendem Schnee nicht wußte, was ermachen sollte, sing, da die Nacht schon herangekommenwar und er zitterte und mit den Zahnen klapperte, an,sich ringsumher nach einem Zufluchtsort umzusehn, wo erdie Nacht zubringen könnte, ohne Frostes zu sterben. Daaber kurz vorher der Krieg in jenen Gegenden gehaust hatte,und Alles verbrannt worden war, fand er keinen und liefdeshalb, von der Kalte getrieben, in vollem Trabe nachCastel San Guiglielmo, wo er, im Falle er nur noch inden Ort hinein könnte, durch Gottes Gnade Hülfe zu fin-den hoffte, ob ihm gleich unbekannt war, ob sein Dienersich dort, oder wo sonst hin geflüchtet habe. Doch diedunkle Nacht überfiel ihn bereits etwa eine Miglie weitvon dem Orte, und, wie er hinkam, waren die Thoreverschlossen, und die Zugbrücken aufgezogen. Trostlosund betrübt darüber sah er sich weinend nach einem Orteum, wo er sich, wenigstens, ohne beschneit zu werden,niedersetzen könnte, und zum Glücke fiel ihm ein Hausin die Augen, das über die Mauern des Fleckens ein we-nig herausgebaut war, und er entschloß sich schnell, unterdiesem Vorbau den Tag abzuwarcen. Dort fand er eineThür, an deren Schwelle er, obgleich sie verschlossen war,sich auf einiges verdorbenes Stroh, das er in der Nähezusammengelesen hatte, niedersehte, und sich bitterlich überden heiligen Julianus beklagte und meinte, das heißedem Vertrauen, das er auf ihn gesetzt habe, schlecht ent-sprechen.

Der heilige Julianus aber hatte ihn nicht vergessenund bereitete ihm schnell eine gute Herberge. In jenemOrte nämlich wohnte eine junge Witwe, von so schönerGestalt, als nur irgend eine andre, die der Markgraf Azzowie sein Leben liebte und auf ihren Wunsch hier unter-hielt. Diese Witwe nun wohnte eben in jenem Hause,unter dessen Vorbau Rinaldo sich niedergeseht hatte, undzufälliger Weise war gerade den vorhergehenden Tag derMarkgraf in der Absicht, die Nacht bei ihr zu schlafen,