Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
93
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einmal des Morgens nicht gebetet." Darauf sagte Der,welcher ihn gefragt hatte:Habt Ihr denn auch heute Mor-gen dies Vaterunser gebetet?"Gewiß," antwortete Ri-naldo. Der Andre aber, der schon wußte, was im Werkewar, sprach bei sich selber:Du wirst's noch brauchenkönnen, denn, wenn uns nichts dazwischen kommt, denkeich, sollst Du doch wol eine schlechte Herberge haben."Dann sagte er laut:Ich bin doch auch schon viel herum-gereist, und, obgleich ich's wol oftmals habe loben hören,habe ich es niemals gebetet; dennoch hat stch's noch niegeschickt, daß ich andere als gute Herberge gehabt hatte,und heute Abend werdet Ihr ja noch sehn, wer besserHerbergen wird, Ihr, da Ihr es gesagt habt, oder ich, daich es nicht gethan habe. Freilich bediene ich mich stattdessen des ckirupisti oder des intemer^ta, oder auch desde prosnliclis, welche, wie meine Großmutter zu sagenpflegte, von ausnehmender Kraft sind."

So sprachen sie im Weiterrciren von allerhand Din-gen, und Jene warteten Ort und Zeit ab, um ihren ruch-losen Vorsatz auszuführen. Als es nun schon spat gewor-den und sie über San Guiglielmo hinaus eben durcheinen Fluß zu setzen hatten, sielen die Drei, weil der Ortabgelegen und rings versteckt, auch die Nacht bereits her-eingebrochen war, den Rinaldo an, plünderten ihn ausund sagten, als sie ihn zu Fuß und im Hemde zurücklie-ßen:Nun geh und sieh zu, ob Dein heiliger JulianusDir die Nacht eine gute Herberge geben wird. Unser Hei-liger wird uns schon eine verschaffen." Damit setzten siedurch den Fluß und ritten weiter. Als Rinaldo's Dienerseinen Herrn angreifen sah, hatte er aus Feigheit nichtallein Nichts gethan, um ihm beizustehn, sondern sogleichsein Pferd umgedreht und im schnellsten Laufe nicht eherangehalten, als bis er in San Guiglielmo angekommenwar, wo er, ohne sich sonst um etwas zu bekümmern, daes schon spat war, ruhig einkehrte. Rinaldo, der inzwi-schen barfuß und im Hemde, wie er war, bei der großen