89
Martellino und der Herl. Heinrich.
gingen mit, und, wie sie hörten, daß er als Beutelschnei-der gefangen sei, sagten sie, in der Meinung, keinen bes-sern Grund finden zu können, um ihm ein schlimmesEnde zu bereiten, alle miteinander, er habe auch ihnenihr Geld abgenommen.
Als der Richter des Podestä, der ein gestrenger Mannwar, diese Beschuldigungen vernahm, führte er ihn sogleichbei Seite und sing ihn über Jene zu befragen an. Mar-tellino aber antwortete mit Spaßen, als ob er die Ver-haftung für nichts achtete. Darüber erzürnt, ließ der Rich-ter ihn auf das Seil spannen und, um ihn zum Geständ-niß zu bringen, und nachher hangen lassen zu können,ein paar Mal recht tüchtig anziehen. Als Martellino wie-der zu Boden gelassen ward, und der Richter ihn fragte,ob, was Jene wider ihn vorbrächten, wahr sei, antwor-tete er, da ihm das Leugnen doch nichts half: „Herr, ichbin bereit, die Wahrheit zu gestehn; laßt Euch aber voneinem Jeden, der mich beschuldigt, angeben, wann undwo ich ihm sein Geld genommen habe, dann werde ichEuch sagen, was ich gethan habe und was nicht." „Gut,"erwiderte der Richter, „ich bin's zufrieden." Nun ließ er Einigerufen. Der Eine versicherte, Martellino habe ihm vor acht Ta-gen den Geldbeutel gestohlen, ein Andrer vor sechs, ein Andrervor vier Tagen, und wieder ein Andrer an jenem Tage selbst.Wie Martellino dies vernahm, sagte er, „Herr, nun seht,daß sie alle in ihren Hals hinein lügen! Daß ich aberdie Wahrheit sage, wird Euch durchaus einleuchten, daßich bis vor ein paar Stunden eben so wenig jemals hierwar, als ich in meinem Leben diese Stadt gesehen zu ha-ben wünschte. Kaum angekommen, ging ich zu meinemUnglück, mir den heiligen Leichnam anzusehen; und beider Gelegenheit bin ich so gezaust worden, wie Ihr mires noch werdet ansehen können. Daß es sich wirklich soverhalte, werden Euch der Beamte, bei dem die Anmel-dungen gemacht werden, das Fremdenbuch und mein Wirthbezeugen können. Findet Ihr nun, daß ich Euch die