86 Zweiter Tag. Erste Geschichte.
Uebel oder Gebrechen sie immer leiden mochten, wurdenherbeigeführt, um durch die Berührung dieses Körpers wie-der gesund zu werden.
Es traf sich, daß gerade wahrend dieser Aufregungund dieses Zusammenlaufes drei unserer Landsleute inTreviso anlangten. Der eine hieß Stecchi, der andereMartellino und der dritte Marchese, Leute, welche dieHöfe großer Herren besuchten und durch ihr Talent, Ge-sichter zu schneiden und jedem Menschen tauschend nach-zumachen, die Zuschauer ergötzten. Sie waren noch niein Treviso gewesen und wunderten sich, die ganze Stadtin Bewegung zu sehn. Als man ihnen die Veranlassungmittheilte, bekamen sie Lust, sich das Alles selber anzuse-hen, und nachdem sie ihre Sachen im Wirthshause abge-legt hatten, sagte Marchese: „Wir wollen doch hingehnund uns den Heiligen ansehn; ich für mein Theil begreifeaber noch nicht, wie wir durchkommen wollen; denn, wieich gehört habe, steht der Platz voller Deutschen und an-derem bewaffneten Volke, die der Herr, dem diese Stadtgehört, um Unruhen zu vermeiden, dort aufgestellt hat;überdies ist, wie man sagt, die Kirche so voller Leute, daßbeinahe kein Mensch mehr hinein kann." Martellino, derebenfalls Lust hatte, die Sache mit anzusehn, sagtedarauf: „Das soll uns nicht hindern; ich will schon einMittel finden, bis an die Leiche zu kommen." „Und wiedas?" entgegnete Marchese. „Gib Acht," sagte Martel-lino, „ich stelle mich, als wäre ich gelahmt; Du von dereinen, und Stecchi von der andern Seite, Ihr unterstütztmich, als ob ich nicht allein gehen könnte, und gebt zuerkennen, daß Ihr mich dorthin führen wollt, damit derHeilige mich wieder gesund mache. Auf diese Weise wirduns Keiner sehen, ohne uns Platz zu machen und unswillig durchzulassen." Dem Marchese und dem Stecchigefiel dieser Plan, und so verließen sie ungesäumt das Gast-haus und begaben sich selbdritt an einen abgelegenen Ort,wo Martellino sich Hände, Finger, Arme und Beine und