Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
85
Einzelbild herunterladen
 

Martellino und der heil. Heinrich.

85

Erste Geschichte.

Martellino stellt sich lahm und gibt vor, Lurch den Körper desheiligen Heinrich geheilt zu werden. Sein Betrug wird entdeckt;er wird geschlagen und eingekcrkert, und ist in Gefahr gehangenzu werden; endlich aber kommt er los.

(§chon öfters, Ihr lieben Mädchen, hat es sich zugetra-gm, daß, wer über Andere, besonders aber über sehr wür-dige Gegenstände spotten wollte, am Ende den Spott undzuweilen auch den Schaden für sich allein behielt. Umden Befehlen der Königin zu gehorchen und durch meineGeschichte die Lösung unserer Aufgabe zu beginnen, denkeich nun als Beispiel davon Euch zu erzählen, was sich miteinem unserer Landsleute anfangs Unglückliches begab, undwie es dann noch über sein Erwarten glücklich ablief.

Es ist noch nicht lange Zeit her, daß in Treviso einDeutscher, Namens Heinrich, lebte, der in seiner Armutheinem Jeden, der ihn darum ansprach, für Geld als Last-träger diente, aber demungeachtet bei Allen für einen Men-schen von frommem und tadellosem Lebenswandel galt.Demzufolge geschah es, daß, wie die Trevisaner berichten,mag es übrigens wahr sein oder nicht, in der Stundeseines Todes alle Glocken in der großen Kirche von Tre-viso, ohne von Jemand angszogen zu werden, zu lautenansingen. Allgemein galt dies für ein Wunder, Heinrichwurde ein Heiliger genannt, das Volk strömte aus derganzen Stadt nach dem Hause, wo seine Leiche lag, undtrug sie gleich einem heiligen Leichnam in die Domkirche.Lahme, Hinkende, Blinde und andere Kranke, an welchem