Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
77
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Meister Alberto. 77

als der Körper bereits fast alle natürliche Warme verlorenhatte, den liebevollen Flammen den Eingang in sein Her;nicht verweigerte, als er auf einem Feste eine wunderschöneWitwe sah, die, wie Einige, berichten, Madonna Mar-gharita de' Ghisolieri hieß. In dem Wohlgefallen, das er anihr fand, nahm er jene Gluth, nicht anders als ein Jüng-ling, in dis betagte Brust auf, fodaß er keine Nacht ruhigschlafen ^zu'kHnnen glaubte, wenn er an dem vorhergegan-genm Tage 'düs anmuthige und zarte Gesicht der schönenDanie nicht gesehen hatte. Aus diesem Grunde beganner sich bald zu Pferde und bald zu Fuße, je nachdem essich fügte, vor dem Hause der Dame sehen zu lassen.Diese sowol als mehrere andere Frauen wurden auf solcheWeise gewahr, was ihn veranlasse, so häufig dort vor-überzukommen, und oftmals spotteten sie miteinander dar-über, daß ein an Jahren und Erfahrungen so reicherMann verliebt sei, als ob nach ihrer Meinung die holdeLeidenschaft der Liebe allein in den thörichten Herzen derJünglinge und sonst nirgend Raum finden und dort ver-weilen könne. Meister Alberto fuhr indeß fort, vor demHause der Dame vorüberzugehen, und so geschah es, daßan einem Feiertage, wo sie mit andern Frauen vor derThür saß, sie alle miteinander sich Vornahmen, den Mei-ster Alberto, den sie schon von weitem hatten kommensehen, zu verweilen und ehrenvoll aufzunehmen, dann aberihn wegen dieser seiner Liebe zu schrauben. So thatensie auch wirklich; als er kam, standen sie Alle auf, ludenihn zu sich ein und führten ihn in einen kühlen Hof, wosie ihn mit feinen Weinen und Backwerk bewirtheten.Zuletzt aber befragten sie ihn mit artigen und wohlgesetz-ten Worten, wie er sich in diese schöne Dame habe ver-lieben können, da er wisse, von wie vielen schönen, wohl-gesitteten und zierlichen jungen Männern sie geliebt werde.Als der Meister sah, daß man auf feine Weise ihn auf-ziehe, nahm er eine heitere Miene an und sagte:Ma-donna, daß ich liebe und gerade Euch zum Gegenstand