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Erster Tag. Zehnte Geschichte.
dennoch nicht mehr Ehre verdienen würde, als einem Eselgebührt. Wol schäme ich mich, dies auszusprechen; dennich kann wider die Andern nicht reden, ohne zugleich michselbst zu tadeln. Diese geputzten, bemalten und buntenFrauen stehen entweder stumm und fühllos wie Stein-bilder da, oder sie beantworten an sie gerichtete Fragen insolcher Weise, daß es ihnen bester wäre, sie hätten ge-schwiegen. Dabei wollen sie sich einreden, _iHc U^gMick,mit andern Mädchen oder,gesitteten Männern zu m>en,sei eine Folge ihrer Seelenreinheit, und geben ihrem "Blöd-sinn den Namen der Sittsamkeit, als ob nur die Frausittsam zu nennen wäre, die mit Niemand als mit derMagd, der Wäscherin und der Bäckersfrau redet. Wäredies, wie sie sich einbilden, die Absicht der Natur gewesen,so würde sie anderweitig ihrem leeren Geschwätze Grenzengesetzt haben. Allerdings indeß soll man hierbei, wie inallen andern Dingen, Zeit und Ort, und mit wem manrede, im Auge haben; denn wol öfter ist es geschehen,daß ein Weib oder ein Mann, in der Meinung, durchscherzhafte Reden Jemand in Verlegenheit zu setzen, weilsie ihre Kräfte denen des Andern gegenüber nicht gehöriganschlugen, die Beschämung, die sie Jenem zugedacht hatten,auf sich selber zurücksallen sahen. Damit Ihr Euch nundavor zu hüten wisset, und damit überdies bei Euch dasSprichwort nicht zutreffe, das in aller Welt Munde ist,„die Weiber ziehen in jedem Dinge den Kürzern," sosoll diese letzte der heutigen Geschichten, die es an mir istzu erzählen, in diesem Punkte Euch zu witzigen dienen,und, wie Ihr durch Adel der Gesinnung Euch von denklebrigen unterscheidet, so werdet Ihr auch durch Feinheitder Sitten Euch vor ihnen auszeichnen.
Noch nicht viele Jahre sind verstrichen, seit in Bolognaein trefflicher und fast in der ganzen Welt hochberühmterArzt, mit Namen Meister Alberto lebte, ja vielleicht lebter noch heute. Dieser war von so edlem Geiste, daß ernoch in seinem hohen Alter von beinahe siebzig Jahren,