König von Cypcrn. 73
was rathen, was noch niemals da gewesen Ware, damitich's in den Saal dieses Hauses malen lassen konnte?"Als Guiglielmo diese übelangebrachte Rede vernahm, er-widerte er: „Herr, etwas überall noch nie da Gewesenestraute ich mir wol nicht zu ersinnen, es wäre denn etwaein abgemaltes Niesen, oder dergleichen; wollt Ihr aber,so will ich Euch Etwas angeben, das, wie ich glaube,wenigstens bei Euch noch nicht gewesen ist." „Und waswäre das, ich bitte Euch?" entgegnete Herr Ermino, dersich auf die Antwort nicht versah, die er hernach bekam.Guiglielmo aber erwiderte schnell: „Laßt die adeliche Sittemalen." Diese Worte beschämten Herrn Ermino, als ersie kaum vernommen, so sehr, daß er um ihretwillen seineSinnesart fast zum Entgegengesetzten von Dem, was siebisher gewesen war, veränderte und also antwortete: „Ja,Herr Guiglielmo, ich will sie malen lassen, und zwar so,daß weder Ihr noch sonst Jemand Grund haben soll, zusagen, ich habe sie nicht gesehen und nicht gekannt." Undvon solcher Wirkung waren Guiglielmo's Worte, daß ervon dem Tage an der freigebigste und gefälligste Edelmannward, und Der, welcher Fremden und Einheimischen ammeisten Ehre erwies, von Allen, die zu seiner Zeit inGenua lebten.
Neunte Geschichte.
Der König von Cypcrn wird durch den Spott einer Dame ausder GaScogne von einem schwachen zum kräftigen Fürsten.
i^ie Königin hatte ihren Befehl nur noch an Elisen zurichten, und diese begann, ohne ihn abzuwarten, mit freund-licher Miene also zu reden. „Schon oftmals, Ihr jungenDekameron. I. 4