Guiglietmo Borsiere. 71
ihres günstigen Ausgangs willen nicht minder willkom-men sein.
In Genua nämlich lebte vor geraumer Zeit ein Edel-mann, Namens Ermino bei Grimaldi, der nach allge-meinem Dafürhalten an ausgedehnten Besitzungen und anbaarem Vermögen den Reichthum der begütertsten Privat-leute, die zu jener Zeit in Italien bekannt waren, umVieles übertraf. Wie aber seine Reichthümer die jedesandern Italieners weit hinter sich zurückließen, so that eres auch an Geiz und Filzigkeit dem ärgsten Filze undGeizhalse der ganzen Welt unmäßig zuvor; denn nichtallein verschloß er seinen Beutel, wenn es galt, Anderneine Ehre zu erweisen, sondern auch in Dem, was derAnstand der eignen Person erfordert hätte, ließ er,es(gegen die Gewohnheit der Genueser, die sich adelich zukleiden pflegen), um Geld zu ersparen, an dem Nötbig-sten fehlen und ebenso auch im Essen und Trinken. Ausdiesem Grunde war ihm der Familienname der Grimaldiim Munde des Volkes verdientermaßen ganz verloren ge-gangen, und Alle nannten ihn nur -Herrn Ermino denGeizhals.
Um die Zeit nun, als dieser das Seinige an sich hieltund vervielfältigte, geschah es, daß Guiglielmo Borsiere,ein lustiger Rath von feinen Sitten und geübter Zunge,der keineswegs den Leuten seines Standes glich, wie wirsie heutzutage sehen, nach Genua kam. Denn, zu großerSchande der verderbten und verdammungswürdigen SittenDerer, die sich gegenwärtig Herren und Edelleute nennenlassen und für Solche gelten wollen, könnten unsere lu-stigen Räthe eher für Esel, die im Schmuze des gemeinenGesindels, als für Leute gelten, die an Höfen groß ge-worden sind; und, während damals ihr Geschäft darinbestand, mit aller Anstrengung Frieden zu vermitteln, wounter den Herren Haß oder Krieg entstanden war, Ehen,Verschwägerungen oder Freundschaften zu stiften, die Höfezu ergötzen und gleich Vätern die Fehler der Bösgearteten