Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
65
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ein Jeder sich beruhigt hatte, sing Philostratus, den dieReihe des Erzählens traf, also zu reden an:Lobenswerthist es, Ihr schönen Damen, wenn Jemand ein festes undunveränderliches Ziel zu erreichen weiß; fast einem Wundergleich zu achten ist aber die Geschicklichkeit des Schützen,der einen unerwarteten und plötzlich erscheinenden Gegen-stand sogleich zu treffen vermag. Das lasterhafte undschmuzige Leben der Geistlichen ist in vielen Dingen einso bestimmter Abdruck von Schlechtigkeit, daß es zu Spottund Tadel einem Jeden, der ihn nur immer suchen mag,leicht genug Anlaß gibt. Obgleich also jener gute MannRecht daran that, daß er dem Inquisitor die heuchlerischeWohlthatigkeit der Mönche vorhielt, die als Almosen ver-Iheilen, was sie den Sauen geben oder auf die Straßewerfen sollten, so scheint mir doch ein Andrer, von demich Euch, auf Anlaß der vorigen Geschichte, erzählen will,noch viel größeres Lob zu verdienen. Dieser nämlich be-schämte den Herrn Eane della Scala, der sonst ein frei-gebiger Herr war, wegen einer völlig ungewohnten undplötzlichen Anwandlung von Geiz dadurch, daß er chm einescherzhafte Geschichte erzählte, in welcher er von fremdenPersonen erzählte, was er von sich und jenem Fürstenverstanden wissen wollte. Damit verhielt es sich nun so:Herr Eane della Scala, in vielen Dingen ein Lieb-ling des Glückes, war, wie der glänzendste Ruhm fastdurch die ganze Welt von ihm berichtet, einer der ange-sehensten und freigebigsten Fürsten, welche seit KaiserFriedrich II. in Italien gesehen worden waren. Dieserhatte beschlossen, in Verona ein Fest von wunderbarerPracht zu geben, und schon waren dazu von verschiedenenSeiten Menschen in Menge, besonders aber Solche her-beigekommen, die durch allerhand Geschicklichkeiten Höfezu unterhalten im Stande sind, als er plötzlich, aus wasimmer für einem Grunde, seinen Willen änderte und diemeisten der Gekommenen beschenkte und verabschiedete. NurEiner unter ihnen, Namens Bergamino, der im Reden so