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Erster Tag. Sechste Geschichte.
Vor nicht langer Zeit nämlich, Ihr lieben Mädchen,war in unserer Stadt ein Minoritenmönch Inquisitor derketzerischen Greuel, der, wie sehr er auch für heilig unddem christlichen Glauben inbrünstig ergeben zu gelten sichbestrebte, dennoch die Fülle der Geldbeutel mit nicht min-derer Sorgfalt, als den Mangel an Glauben ausspürte.In diesem seinem Eifer traf er einmal von ohngefähr aufeinen Ehrenmann, der mehr Geld als Vorsicht hatte unddem, nicht etwa aus Gottlosigkeit, sondern, um es gradeherauszusagen, vielleicht im Rausche oder in übertriebenerLustigkeit einmal die Aeußerung unter Freunden entschlüpftwar, er habe einen Wein von solcher Güte, daß Christusselber davon trinken würde. Kaum war dem Inquisitordies hinterbracht, so hing er dem ehrlichen Manne, inErwägung seiner ansehnlichen Besitzungen und seines fettenGeldbeutels, auch schon cim glLciüs et kii8tiiiu3 und mitdem größten Ungestüm einen bedenklichen Proceß an denHals, der nicht sowol dem Uebelthäter seinen Unglaubenbenehmen als des Richters Taschen mit Gold füllen sollteund füllte. Er ließ ihn vor sich rufen und fragte ihn,ob es wahr sei, was er über ihn gehört habe. Der guteMann antwortete: ja! und erzählte der Sache ganzen Her-gang. Der fromme Inquisitor, der vor Allen den heili-gen Ludwig mit dem goldenen Barte verehrte, entgegnete:„Also zu einem Säufer, zu einem Auskundschafter guterWeine machst Du den Herrn Christus, als wäre er einTrunkenbold oder einer von Euch versoffenen Schenkgesellen.Und nun möchtest Du mit demüthigen Redensarten dieSache gern als unbedeutend darstellen. Das geht abernicht so, wie Du Dir einbildest. Wollen wir nach Pflichtund Gewissen mit Dir verfahren, so bist Du dem Scheiter-haufen verfallen." Mit solchen und vielen ähnlichen Wor-ten und mit erzürntem Gesichte setzte er dem armen Mannezu, als wäre es Epikur, der die Unsterblichkeit der Seeleleugnete, selber. Auch gelang es ihm in Kurzem, denBeschuldigten so in Angst zu bringen, daß dieser, um