Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
56
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56 Erster Lag. Vierte Geschichte.

warum sollte ich mir nicht eine Lust machen, wenn ichsie haben kann, denn Aerger und Ueberdruß sind, wie ichmeine, immer vorräkhig, wenp man darnach verlangt.Die hübsche Dirne hier ist im Kloster, ohne daß ein Mensches weiß. Kann ich's dahin bringen, daß sie mir zu Wil-len ist, so weiß ich nicht, warum ich's lasten sollte. Werwird es denn erfahren? Gewiß Niemand. Und, heim-liche Sünde büßt man geschwinde. Solche Gelegenheitgibt es nicht leicht wieder, und ich denke, es ist weise,das Glück wahrzunehmen, das unser Herrgott einem zu-schickt." Unter diesen Gedanken hatte er den Entschluß,mit dem er gekommen war, völlig geändert und tratnun zu dem Mädchen, sing an, ihr freundlich zuzureden,und bat sie, daß sie nicht mehr weinen sollte So gabein Wort das andere, und endlich kam es dazu, daß erihr sein Verlangen geradezu gestand. Das Mädchen warweder von Diamant noch von Stahl und gab den Wünschendes Abtes schnell genug nach. Dieser umarmte und küßtesie erst einige Male und legte sich dann mit ihr auf das Bett-chen unseres Mönches. War es nun vielleicht aus Rück-sicht auf die hohe Würde, die schwer aus ihm lastete, undauf das zarte Alter des Mädchens, oder fürchtete er viel-leicht, ihr durch die Last seines Körpers beschwerlich zufallen, genug, er legte sich nicht auf sie, sondern ließ sieauf sich liegen und ergötzte sich solchergestalt mit ihr einelange Weile.

Der Mönch, der sich gestellt hatte, als ob er in denWald ginge, hatte sich inzwischen in den Schlassaal ver-steckt und schöpfte, im festen Vertrauen auf das Gelin-gen seines Anschlages, neuen Muth, so wie er in seineZelle den Abt allein eintreten sah. Als dieser gar dieThür hinter sich abschlvß, zweifelte er nicht mehr undschlich sich still aus seinem Versteck zu einer Spalte, durchdie er Alles, was der Abt sagte und that, sah und hörte.Wie sich nun der Abt, nach seinem Bedünken, zur Ge-nüge mit der Dirne unterhalten, schloß er sie wieder ein