Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
55
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Der Mönch und der Abt.

Er that nämlich, als habe er sich zur Genüge mit demMädchen unterhalten und sagte ihr:Ich gehe, um aus-zukundschaften, wie ich Dich ungesehen herausschaffen will.Halte Dich also ruhig, bis ich wiederkomme/' Dannschloß er seine Zelle zu, ging gradesweges in das Zimmerdes Abtes und sagte diesem, indem er ihm, wie jederMönch, der ausging, zu thun pflegte, seinen Schlüsselübergab, mit unbefangenem Gesichte:Hochwürden, heutemorgen konnte ich nicht alles Holz hereinbesorgen, das ichhatte schlagen lassen, und möchte nun mit Eurer Erlaub-niß in den Wald gehen, um das übrige zu h-olen." Inder Meinung, der Mönch wisse nicht, daß er von ihmbelauscht worden sei, war der Abt zufrieden, daß es alsokam; verabschiedete jenen, und nahm den Schlüssel, umden Fehltritt, den der Mönch begangen, genau zu er-forschen.

Sobald er sich allein sah, sing er zu überlegen an,ob er lieber in Gegeknvart aller Mönche die Zelle des Ge-fallenen eröffnen und ihnen so das Verbrechen darlegensollte, damit sie nicht etwa nachher, wenn er den Mönchbestrafte, sich über ihn beschweren könnten; oder ob er nichtvielleicht lieber sich vorher den Hergang der Sache vonihr berichten lassen wollte. Da siel ihm aber ein, wie esleicht ein Frauenzimmer sein könnte, dem, oder dessenVater er nachher die Schande, sie vor allen Mönchen zurSchau zu stellen, nicht gern angethan haben möchte, unddarum entschloß er sich, erst zu sehen, wer es wäre, unddann das Weitere zu überlegen. So ging er denn inaller Stille nach der Zelle, öffnete die Thür, trat einund schloß hinter sich wieder zu. Wie die Dirne den Abteintreten sah, wurde sie fast ohnmächtig und sing vorScham und Furcht zu weinen an. Der hochwürdigeHerr aber fühlte beim Anblick des Mädchens, die er hübschund jung fand, so alt er auch war, die fleischlichen Ge-lüste nicht minder lebhaft, als sein junger Mönch sie em-pfunden hatte.Wahrhaftig," sprach er bei sich selber,